Foto: SWLB

Ludwigsburg.| Ende 2009 ging das Holzheizkraftwerk (HHKW) der Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim (SWLB) in den Probebetrieb. Im März 2010 wurde das Leuchtturm-Projekt von der damaligen Landesumweltministerin, Tanja Gönner, in Betrieb genommen. Nun sind zehn Jahre vergangen – das Werk hat seine Ziele voll erreicht: „Wir haben 2009 16 Millionen Euro in die Hand genommen, um das damals größte und modernste Holzheizkraftwerk in Baden-Württemberg zu bauen. Rückblickend können wir sagen: Das war eine rundum gute Entscheidung, denn wir haben 95 Millionen Kilowattstunden Strom mit Biomasse erzeugt und ganz nebenbei 190.000 Tonnen CO2 eingespart, was circa 72 Millionen Litern Heizöl entspricht, das nicht eingesetzt wurde. Oder, um beim Holz zu bleiben, 15.2 Millionen gepflanzten Buchen“, so Bodo Skaletz, Geschäftsführer der SWLB. Zudem wurden im Holzheizkraftwerk etwa 442 Mio. kW/h Wärme aus Biomasse produziert. Skaletz weiter: „Unser Werk ermöglicht eine 90-prozentige Reduzierung des klimaschädlichen Kohlendioxids und ist damit ein wichtiger Meilenstein in Sachen lokaler Energiewende.“

Das HHKW besteht im Wesentlichen aus einer Holzfeuerungsanlage mit einer Gesamtfeuerungswärmeleistung von 14,6 Megawatt (MW). Das Holzheizkraftwerk basiert auf einer ORC-Anlage (Organic-Rankine Cycle), einem Verfahren für den Betrieb von Dampfturbinen ohne Wasserdampf. Es wird ganzjährig betrieben. Die erzeugte Wärme wird ins Fernwärmenetz des Wärmeverbundes in der Stadt Ludwigsburg abgegeben. Es deckte allein 2018 circa 63 Prozent des benötigten Wärmebedarfs der Fernwärmeversorgung in Ludwigsburg.

Alle Fernwärmeleitungen verlaufen im Untergrund und versorgen unter anderem das Landratsamt, die Stadtverwaltung, die Kreissparkasse Ludwigsburg, das Forum, die Wilhelmsgalerie sowie auch Privatkunden mit umweltfreundlicher Wärme. Zukünftig ist das HHKW auch wichtige Schnittstelle im Bundesförderprojekt SolarHeatGrid, das aktuell umgesetzt wird. Zum einen entsteht auf dem Römerhügel ein Solarfeld mit Flachkollektoren, zum anderen wird neben dem Holzheizkraftwerk der 20 Meter hohe Wärmespeicher gebaut. Der ermöglicht, zusätzlich qualitativ hochwertige, regenerativ erzeugte Wärme in das erweiterte Verbundnetz einzuspeisen. Mithilfe des Wärmespeichers steht die gewonnene Energie zukünftig auch dann zur Verfügung, wenn es keine oder nur geringe Sonneneinstrahlung gibt. Die Grundlastwärme der bisher fossil befeuerten Heizzentralen der Einzelnetze kann so durch die größtenteils regenerativ erzeugte Wärme des erweiterten Verbundnetzes ersetzt werden.

„Neben der CO2-Einsparung, die durch den wachsenden Anteil an erneuerbaren Energien im erweiterten Fernwärmenetz erzielt wird, ist die Steigerung der Energieeffizienz erklärtes Ziel auch dieses Großprojektes“, erklärt Bodo Skaletz und betont: „Die Verwendung erneuerbarer Brennstoffe beziehungsweise der Solaranergie ist CO2-neutral. Allein im Holzheizkraftwerk werden pro Jahr rund 28.000 Tonnen Holzmaterial thermisch verwertet. So reduziert das HHKW die CO2-Emissionen in der Region um 19.000 Tonnen pro Jahr. Die SWLB hat großen Anteil an der aktiven Umsetzung der Klimapolitik der Stadt und unterstreicht damit den wachsenden Anspruch nachhaltigen Wirtschaftens.“

Das HHKW liegt im Westen der Stadt Ludwigsburg und dem 37 Meter hohen Kamin eines der höchsten Bauwerke – weithin sichtbar. Als Brennstoff dient regionales Landschaftspflegeholz. Seit zehn Jahren ist das Werk beliebter Ort für Führungen. Über 1600 Personen in circa 100 Gruppen aus aller Herren Länder haben das kostenlose Angebot der Werksbegehung bisher genutzt. Anfragen für Führungen können an info.technik@swlb.de gerichtet werden.