von Bernhard Gaus

Bietigheim-Bissingen.| Die Rückkehr in die 2. Liga beginnt für die Bietigheimer Handballer mit einem echten Top-Spiel. Am Sonntag (17 Uhr) erwartet der Bundesliga-Absteiger in den EgeTrans Arena den letztjährigen Tabellenvierten ASV Hamm-Westfalen. „Wenn man die Vorbereitung betrachtet, ist das für mich momentan der Topfavorit in der 2. Liga“, sagt SG BBM- Coach Hannes Jón Jónsson.

Und diese Aussage kommt nicht von ungefähr. Als einziges Zweitligateam haben die Westfalen am vergangenen Wochenende die dritte DHB-Pokalrunde erreicht. Der deutliche 31:21-Erfolg gegen Bundesligist GWD Minden in dessen eigener Halle lässt aufhorchen. Die Spieler von Trainer und Sportlichem Leiter Kay Rothenpieler präsentieren sich in einer beachtlichen Frühform. Doch auch ohne diesen Paukenschlag ist Hamm-Westfalen als letztjähriger Vierter alles andere als nur ein Geheimfavorit. Die Lippestädter verfolgen ein langfristiges Ziel, dem sie in dieser Saison vielleicht näher kommen könnten denn je. 2014 wurde die Rückkehr in die 1. Bundesliga innerhalb von fünf Jahren ins Auge gefasst, bereits 2011/12 hatte Hamm ein kurzes Gastspiel im Oberhaus gegeben.

Mit Merten Krings (Emsdetten) und Ivar Stavast (Limburg Lions) hat sich Hamm-Westfalen nochmals substanziell verstärkt. „Das sind richtig gute Verpflichtungen“, bestätigt auch Jónsson. „“Hamm wirkt mit einem guten Lauf in der Vorbereitung schon sehr eingespielt, spielt ein gutes Tempo, bringt viel Masse in die Abwehr“, hat der Bietigheimer Trainer beobachtet. Und da wären noch Klasse-Könner wie Oliver Milde. Der Rückraum-Shooter hat noch in Diensten des VfL Lübeck-Schwartau in der EgeTrans Arena im Jahr 2017 der SG BBM einmal 14 Tore eingeschenkt, manch einer wird sich an den Auftritt erinnern. Mit dem griechischen Linksaußen Vyron Papadopoulos hat Hamm einen weiteren Spieler, der im Trikot von Empor Rostock in Bietigheim schon zweistellig getroffen hat, 2016 war das.

Beide Partien übrigens hat die SG BBM am Ende für sich entschieden. Momentaufnahmen sind eben relativ. Die Frage tut sich auf, ob eine Partie zwischen zwei Topfavoriten der Liga gleich zu Saisonbeginn zum passenden Zeitpunkt kommt oder gar zum Bumerang werden kann. Für einen Bundesliga-Absteiger, der sich selbst den sofortigen Wiederaufstieg auf die Fahnen geschrieben hat, ist das eine zumindest knifflige Konstellation. Von einer Weichenstellung zu reden, davon sind beide Teams zu Saisonbeginn noch weit entfernt. „Spekulationen über einen günstigen oder weniger günstigen Spielplan sind müßig“, sagt Jónsson. „Solch ein Topspiel gibt uns gleich zu Beginn zusätzliche Motivation, wir freuen uns darauf.“ Der Optimismus ist gerechtfertigt. Schließlich zeigt sich auch der Isländer alles andere als unzufrieden mit der Vorbereitung und dem Leistungsstand seiner Mannschaft. „Wir sind für diesen Zeitpunkt schon ganz gut drauf und werden am Sonntag 100 Prozent geben können“.

Wie schon am Pokalwochenende wird Jónsson personell aus dem Vollen schöpfen können. Alle 19 Spieler im Kader sind fit, der Cheftrainer lässt sich bezüglich der endgültigen Aufstellung erneut nicht in die Karten schauen. Der Auftritt im Pokal gegen Bundesligist MT Melsungen dürfte jedoch für einen ersten Fingerzeig gut gewesen sein. „Wir haben eine gute erste Halbzeit gegen eine richtig gute Mannschaft gespielt“, hebt der Isländer die beste Phase eines Pokalwochenendes hervor, das Licht und Schatten brachte. Im zweiten Abschnitt konnte Bietigheim nicht mehr dagegen halten. Melsungen sicherte sich mit einem klaren 31:25-Erfolg das Weiterkommen. Viel Mühe hatte die SG BBM tags zuvor auch im Spiel gegen Drittligist HSG Rodgau Nieder-Roden, ließ sich aber den 28:27-Erfolg am Ende nicht nehmen.

Ob das Team um Kapitän Jan Asmuth die positive Vorbereitungsphase in den erhofften Auftaktsieg vor eigenem Publikum ummünzen kann? „Das werden wir am Sonntag sehen“, sagt Jónsson mit einem Augenzwinkern.