Geschäftliche Information

Bei dem P2P-Kredit handelt es sich um ein Darlehen, das von Privatpersonen an andere Privatpersonen – meistens Unternehmer, Selbstständige oder Existenzgründer – vergeben wird. Im Englischen bezeichnet der Begriff P2P „Peer-to-Peer“, also eine Kommunikation beziehungsweise einen Austausch zwischen Gleichgestellten. Die Vergabe dieser Form von Krediten erfolgt über Online-Plattformen, die eine Alternative zum gewöhnlichen Bankkredit darstellen und Investoren mit Kreditnehmern zusammenbringen.

Der Aufschwung der P2P-Kredite
Während Online-Kreditmarktplätze vor rund 10 Jahren von Verbraucherschützern, aber auch der Allgemeinheit, eher kritisch gesehen wurde, scheint sich die Wahrnehmung der Branche verändert zu haben und sie ist heute überwiegend positiv. Das liegt insbesondere daran, das technische Nachbesserungen gemacht wurden und das Konzept bezüglich des Datenschutzes überarbeitet wurde.

Das Aufblühen der P2P-Landschaft geht mit dem Aufschwung der Fintech-Branche einher. Laut statista betrug das Gesamttransaktionsvolumen im Segment P2P rund 107 Milliarden Euro – Tendenz steigend. Eine Prognose von statista berechnet das Gesamtvolumen des weltweiten P2P-Kreditmarkts auf rund 265 Milliarden Euro, was einem jährlichen Wachstum von 25 % entspricht.

Vorteile für Investoren
Ein wesentlicher Grund für den Aufschwung der P2P-Kredite ist, dass Investoren sowie Kreditnehmer gleichermaßen von dem Konzept profitieren.

Bedingt durch die Niedrigzinsphase sind weder Tages- noch Festgeld eine gewinnbringende Anlagemöglichkeit für Investoren, was der Grund dafür ist, dass sich Anleger nach einer attraktiveren Geldanlageform umschauen. Dazu gehört die Investition in einen P2P-Kredit, der mit einer Durchschnittsrendite von 5 % wesentlich höhere Zinsen als konventionelle Banken bietet.

Häufig können Anleger selbst bestimmen, in welche Projekte sie investieren möchten. Alternativ bietet sich bei den meisten P2P-Plattformen die Möglichkeit, über ein automatisches Anlage-Tool das gewünschte Risiko anzugeben und zu investieren. Experten empfehlen, einen geringen Betrag (zum Beispiel 25,- EUR) in eine Vielzahl von Krediten zu investieren, um das Risiko und Investment zu streuen.

Doch der höhere Zinssatz bedeutet natürlich nicht nur eine schöne Rendite, sondern auch eine höhere Gefahr des Kreditausfalls – das Ausfallrisiko muss in diesem Fall der Investor tragen.

Mittlerweile bieten zahlreiche P2P-Plattformen mit der Rückkaufgarantie eine attraktive Möglichkeit an, um das Risiko zu reduzieren: Kann der Darlehensnehmer den Kreditbetrag nicht zurückzahlen, dann springt die Plattform ein und sorgt dafür, dass der Investor den geliehenen Betrag zurückerstattet bekommt.

Zu den bekanntesten P2P-Plattformen gehören das deutsche Unternehmen auxmoney, die lettische Plattform Mintos, ViaInvest sowie EstateGuru.

Vorteile für Kreditnehmer
Doch Vorteile ergeben sich nicht nur aus Sicht des Kreditgebers – da sich P2P-Kredite auch bei Kreditnehmern einer immer höheren Beliebtheit erfreuen.

Besonders Existenzgründer nehmen mittlerweile Probleme bei der Finanzierung wahr, da sie, sofern eine Fremdfinanzierung benötigt wird, deutlich höhere Hürden zu überwinden haben. Rund 16 % gaben an, dass ihr Kreditantrag abgelehnt wurde. Hierbei handelt es sich um ein Problem, mit dem auch Selbstständige und Freiberufler konfrontiert sind – und wovon P2P-Plattformen profitieren.

Das liegt daran, dass die Vergabekriterien der Banken sehr konservativ sind und sie Kreditnehmer mit einem festen Einkommen vorziehen. In der Regel geht es bei P2P-Krediten also nicht um klassische Konsumentenkredite und sie können auch von Selbstständigen mit einer schlechten Bonität in Anspruch genommen werden. Hierfür ist aber nötig, dass der Kreditnehmer einleuchtende Argumente für die Rückzahlung parat hat, um Investoren zu überzeugen.

Ein weiterer Vorteil der P2P-Kredite ist die geringe Kostenstruktur. Da sich die Kreditvergabe über das Internet abwickeln lässt, müssen Online-Plattformen keine Miete für Ihre Filialen zahlen, und sparen sich mit der digitalen Abwicklung einiges an Geld, das Filialbanken sonst für Mitarbeiter ausgeben. Die geringe Kostenstruktur wirkt sich auf die Kreditnebenkosten aus, die bei P2P-Krediten wesentlich niedriger sind.

Ein weiterer Vorteil ist die kostenlose und unkomplizierte Antragstellung. Anstatt zur Bank zu gehen und einen Termin zu vereinbaren, erfolgt die Antragstellung innerhalb weniger Minuten, kostenfrei und ohne Risiko. Zudem erfolgt auch die Auszahlung des Kredits meist innerhalb weniger Minuten, was ein weiterer Vorteil der P2P-Kredite ist.

Letztlich gilt es zu erwähnen, dass über P2P-Kredite geringere Kreditsummen in Anspruch genommen werden. Während Filialbanken häufig einen Minimalbetrag von mehreren Tausend Euro anbieten, lässt sich auf P2P-Plattformen bereits ein Kreditbetrag von wenigen hundert Euro aufnehmen.

Ein Nachteil für Kreditnehmer auf P2P-Plattformen ist, dass die Zinsen bei schlechter Bonität höher sind. Zudem sind die Tilgungsmodalitäten anders, da die Kreditlaufzeiten in der Regel geringer sind.
Fazit

Die P2P-Branche hat sich in den letzten zehn Jahren stark entwickelt und ist zu einer ernstzunehmenden Finanzdienstleistung avanciert, die weiterhin im Aufschwung ist. Für Investoren eignet sich der P2P-Kredit als attraktive und unkomplizierte Anlageform mit höherer Rendite als Tages- und Festgeld. Für Kreditnehmer, deren Kreditgesuch von Banken abgelehnt wurde, eignen sich P2P-Kredite als gute Alternative.

Online-Vergleichsportale wie Financer helfen Investoren und Kreditnehmern, zahlreiche P2P-Plattformen zu vergleichen und einen passenden Marktplatz zu finden.