Ludwigsburg.| Ludwigsburg wird gern besucht – Residenzschloss und Blühendes Barock locken Besucher, auf dem großen Marktplatz treffen sich die Leute, in Straßencafés, bei Festen und Märkten. Der städtische Fachbereich Technische Dienste Ludwigsburg (TDL) sorgt dafür, dass Plätze, Parks und Straßen beliebte Aufenthaltsorte bleiben. Eine der Aufgaben ist das Leeren der öffentlichen Müllbehälter. Insgesamt 15 dieser Behälter haben kürzlich ein „smartes Update“ bekommen: Sie helfen nun durch neu eingebaute, digitale Füllstandsmesser dabei, überquellenden Abfall zu vermeiden und Wege wie Kosten zu reduzieren. „Dieses Modellprojekt zeigt, dass die technische und digitale Innovation in den unterschiedlichsten Bereichen Chancen eröffnet, nachhaltiger und effektiver zu werden“, erklärt Ludwigsburgs Oberbürgermeister Werner Spec.

Timing ist beim Leeren der Mülleimer nämlich wichtig, denn zu oft ist genauso wenig wünschenswert wie zu wenig: „Die Behälter dürfen nicht überquellen, sie sollten zum Zeitpunkt der Leerung aber möglichst voll sein“, erklärt Hans-Jürgen Schroff, Leiter des Fachbereichs Technische Dienste, den Zeitpunkt für die kostengünstigste Leerung. Im Rahmen des Ludwigsburger Innovationsnetzwerks „Living LaB“ entdeckte Schroff ein neu entwickeltes Produkt des Startups Binando. Das junge Unternehmen hat sich darauf spezialisiert, Abfallentsorgern mit digitalen Problemlösern, sogenannten Algorithmen, die Arbeit zu erleichtern.

Die Firma stellt ein Komplettsystem vor, das mithilfe von Sensoren die Füllstände in Müllbehältern erfasst. Ein Ultraschall-Sensor sitzt am oberen Rand des Behälters und funkt Messdaten über ein GSM-Mobilfunkmodul in eine Daten-Cloud – anhand dieser Daten ermittelt und optimiert der Rechner automatisch eine Route für die Reinigungswagen. Um die ermittelten Werte einsehen zu können, loggen sich die Mitarbeiter der Stadtreinigung einfach per PC oder Smartphone auf der Binando-Webseite ein. So haben sie auch unterwegs Zugriff auf aktuelle Daten und Routen. Mit der Smartphone-App fahren die Reinigungswagen der TDL künftig also nur Behälter an, die tatsächlich geleert werden müssen. Diese Technologie soll im Lauf der Testphase geprüft werden.

Ein halbes Jahr lang wollen Schroff und seine Mitarbeiter das smarte Mülleimer-System testen und erhoffen sich deutliche Zeit- und Kosteneinsparung durch bessere Übersicht und kürzere Wege. Bei Binando hält man Einsparungen von bis zu 40 Prozent möglich, damit werden innerhalb der Stadtreinigung Kapazitäten für andere Aufgaben frei. Die digitale Routenplanung reduziert Arbeitszeit, Treibstoff und damit auch Schadstoff-Emissionen der Einsatzfahrzeuge, so die Prognose. Außerdem ist das System lernfähig: zum einen werden neue Messdaten mit Erfahrungswerten verglichen, dadurch werden eventuelle Fehlmeldungen leicht entdeckt und Prognosen präzisiert. Zum anderen können die Algorithmen des Systems immer bessere Routen ausarbeiten. Dennoch überwacht ein Disponent die maschinell erstellte Route und gibt sie frei.

Bis Dezember 2018 werden die intelligenten Abfallbehälter voraussichtlich getestet. Fällt die Bilanz für Füllstandsmesser und Routenplaner positiv aus, will Hans-Jürgen Schroff das System auch in den „Split-Containern“ einsetzen: Dort sollen die Sensoren den Nachschub an Split für den Winterdienst garantieren. Bisher war es laut Schroff nicht so einfach, den richtigen Zeitpunkt zum Nachfüllen vorherzusagen.