Tunneldurchschlag nach 8.806 Metern Vortrieb
Erste Röhre des Boßlertunnels vollständig vorgetrieben

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Stuttgart.| Die Tunnelvortriebsmaschine „Käthchen“, mit der die Mineure den Boßlertunnel auf der Neubaustrecke Wendlingen–Ulm vortreiben, hat ein wichtiges Etappenziel erreicht: Nach 8.806 Metern Vortrieb erreichte sie heute Mittag (6. November) das Filstal und sah erstmals seit ihrem Start im April 2015 wieder Tageslicht.

„Mein herzlicher Dank gilt allen Mineuren und Ingenieuren, die dieses technische Meisterwerk vollbracht haben. Die Arbeiten liegen perfekt im Zeitplan, wir kommen gut voran“, sagt Manfred Leger, Vorsitzender der Geschäftsführung der DB Projekt Stuttgart–Ulm GmbH.

Die Durchbruchstelle befindet sich rund 80 Meter über dem Filstal. Dort wird in wenigen Jahren die derzeit im Bau befindliche Filstalbrücke den Boßlertunnel und den Steinbühltunnel verbinden. Die Vortriebsarbeiten in beiden Röhren des Steinbühltunnels wurden vor einem Jahr abgeschlossen, hier wird seitdem die Tunnelinnenschale betoniert.

„Heute ist ein besonderer Tag für das ganze Team. Jeder Tunnelvortrieb ist eine Herausforderung – wir sind stolz, heute gemeinsam eine weitere wichtige Etappe geschafft zu haben“, sagt Jörg Rainer Müller, technischer Projektleiter des Abschnitts Albaufstieg.

Die 110 Meter lange und rund 2.500 Tonnen schwere Tunnelbohrmaschine war im April 2015 am Portal Aichelberg gestartet und hat in der nun vollständig vorgetriebenen Oströhre, in der später das Streckengleis Ulm–Stuttgart verläuft, rund 4.400 Tunnelringe verbaut. Das sind in Summe etwa 30.800 einzelne Betonfertigteile. Diese sogenannten Tübbinge werden in einer eigens errichteten Fabrik im Bereich des Tunnelportals Aichelberg hergestellt. Ein rund 750 Meter langer Abschnitt etwa in der Mitte des Tunnels wurde bergmännisch hergestellt und anschließend von „Käthchen“ durchfahren. „Das war Präzisionsarbeit“, sagt Manfred Leger.

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Start des Vortriebs für zweite Röhre im Frühjahr 2017
Nach der Ankunft der Tunnelvortriebsmaschine im Filstal wird sie demontiert und gereinigt. Hierbei wird die Tunnelvortriebsmaschine zerlegt und in Einzelteilen durch den Tunnel zurück an das Portal Aichelberg transportiert. Dort wird sie wieder zusammengebaut und fit gemacht für das Auffahren der zweiten Röhre. Im Frühjahr 2017 soll „Käthchen“ wieder ihre Arbeit aufnehmen und die Weströhre des Boßlertunnels, in der später das Streckengleis Stuttgart–Ulm verläuft, auffahren.

Boßlertunnel und Steinbühltunnel wurden 2012 gemeinsam an eine Arbeitsgemeinschaft der Firmen Porr, G. Hinteregger & Söhne Baugesellschaft, ÖSTU-Stettin Hoch- und Tiefbau und Swietelsky Tunnelbau vergeben. Der Auftragswert beträgt rund 635 Millionen Euro.

Der Boßlertunnel ist mit 8.806 Metern Länge nach dem Fildertunnel (9.468 Meter) der zweitlängste Tunnel des Bahnprojekts Stuttgart–Ulm und wird nach seiner Fertigstellung der fünftlängste Eisenbahntunnel Deutschlands sein.

Bild: Rund 80 Meter über dem Filstal sah „Käthchen“ erstmals wieder Tageslicht
Foto: Reiner Pfisterer/DB Projekt Stuttgart-Ulm GmbH
Infografik Tunnelvortrieb Boßlertunnel Grafik: DB Projekt Stuttgart-Ulm GmbH