„Hotel Silber“ öffnet am 4. Dezember

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Stuttgart.| Vom Ort der Polizei und des NS-Terrors zum Ort des historisch-politischen Lernens und der Begegnung: Das „Hotel Silber“ in Stuttgart wird am 4. Dezember mit einer Veranstaltungswoche eröffnet. In der ehemaligen Gestapozentrale in der Dorotheenstraße ist eine Dauerausstellung zu Polizei und Verfolgung zu sehen. Sie beschäftigt sich auf rund 300 Quadratmetern mit Tätern und ihren Opfern, mit der Institution Polizei und ihrer Rolle in den politischen Systemen mehrerer Jahrzehnte. Die Einrichtung entstand als Bürgerbeteiligungsprojekt mit dem Haus der Geschichte Baden-Württemberg als Träger und der Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber e.V. Der Eintritt ist frei bis Ende 2019. Die Gesamtkosten tragen das Land Baden-Württemberg und die Stadt Stuttgart.

„Das ,Hotel Silber‘ ist ein Projekt gegen Nationalismus und Geschichtsvergessenheit“, sagte Kunststaatssekretärin Petra Olschowski bei der Eröffnungspressekonferenz am 30. November 2018. „An diesem konkreten Ort wird erfahrbar, dass Geschichte nicht einfach von einem Tag auf den anderen beginnt oder endet, sondern dass es Vorläufer und Nachwirkungen gibt. So zeigt sich, dass wir gegenüber ersten Signalen von Veränderungen und Gefährdung achtsam sein müssen.“

„Nach 18 Monaten Bauzeit ist der Umbau des ,Hotel Silber‘ erfolgreich abgeschlossen, und das Gebäude kann nun als Lern- und Erinnerungsort genutzt werden. Das Land hat für den Umbau knapp 4,5 Millionen Euro investiert“, sagte Finanzstaatssekretärin Gisela Splett. „Dieses Geld ist gut angelegt: Wir bewahren und erhalten unsere geschichtsträchtigen Gebäude, auch bedrückende Geschichte machen wir unseren Bürgerinnen und Bürgern so in anschaulicher Weise zugänglich.“

Das 1873 nach seinem Besitzer Heinrich Silber benannte Gebäude behielt im Volksmund stets seinen Namen – auch noch, als es in der NS-Zeit Leitstelle der Geheimen Staatspolizei für Württemberg und Hohenzollern war, davor von der Politischen Polizei und danach von der Kriminalpolizei genutzt wurde.

Als einen „der schrecklichen Orte in der Stuttgarter Geschichte“ bezeichnete der Oberbürgermeister der Landeshauptstadt, Fritz Kuhn, das „Hotel Silber“ und warnte davor, den Horror der NS-Zeit zu verdrängen. „Diesen lange fälligen Erinnerungsort einzurichten, ist auch ein Zeichen gegen das Wiederaufkommen von menschenfeindlichem und totalitärem Gedankengut. Die Erinnerung kann verhindern, dass Verbrechen sich wiederholen.“ Er bedankte sich „bei den ehrenamtlichen Initiatoren und allen Unterstützern, die diesen wichtigen Ort in der Regie des Hauses der Geschichte möglich gemacht haben“.

Als „ein bundesweit einmaliges Projekt“ bezeichnete Prof. Dr. Thomas Schnabel, der Direktor des Hauses der Geschichte Baden-Württemberg, das Museum. „Hier kann die Entwicklung der Polizei in Württemberg von der Weimarer Republik über den Terror des Nationalsozialismus bis zu den Anfängen nach 1945 und in der Bundesrepublik gezeigt werden. Gleichzeitig werden bedrückende Kontinuitäten in der Opferverfolgung deutlich, die eine stetige Mahnung für den Erhalt der Menschenrechte für uns heute bedeuten.“

Die beiden Vorsitzenden der Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber hoffen, „dass hier ein Ort entsteht, der dem Vergessen und der grassierenden Umdeutung der NS-Geschichte entgegenwirkt“, sagte Harald Stingele. Zehn Jahre nachdem die Abrisspläne bekannt wurden, sei nun ein Ziel erreicht. Jetzt gehe es um die Zukunft, so Elke Banabak: „Wird hier das Bewusstsein für die Gefährdung unserer Demokratie geschärft? Wird die Bürgerschaft das Haus nutzen, um sich hier über Grundfragen des Zusammenlebens in einer vielfältigen Gesellschaft zu verständigen?“

Das „Hotel Silber“ öffnet am Dienstag, 4. Dezember 2018, seine Pforten. An dem Abend gibt es eine öffentliche Einführung mit Ausstellungsleiterin Prof. Dr. Paula Lutum-Lenger. Von Dienstag bis Freitag werden um 12.30 Uhr Kurzführungen und um 17 Uhr die Reihe „Speakers‘ Corner“ zu Grundthemen der Einrichtung wie Menschenwürde oder Ausgrenzung angeboten. Am 5. Dezember (19 Uhr) gibt es ein Zeitzeugengespräch. Eine Vielfalt an Angeboten bestimmt das Wochenende 8./9. Dezember: Stadterkundungen, Swing-Fest, Lesung, Präsentationen von Gedenkstätten und zahlreiche Führungen.

Informationen zur Ausstellung und zum Begleitprogramm finden sich im Internet unter www.geschichtsort-hotel-silber.de