Aufsteiger Bietigheim auf der Jagd nach den nächsten Punkten

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von Bernhard Gaus

Bietigheim-Bissingen.| Aufsteiger SG BBM Bietigheim wird nach den letzten starken Leistungen mutiger. Zwei bis 4 Punkte haben sich die Schwaben noch bis zur WM-Pause auf die Fahnen geschrieben. Am Sonntag (16 Uhr) will der Tabellenvorletzte beim TBV Lemgo Lippe auf die Jagd gehen.

Für Valentin Schmidt wird sich die Partie in der PHOENIX CONTACT arena ein klein wenig wie ein Heimspiel anfühlen. Der Spielmacher der SG BBM entstammt der Jugend des TBV. Klar, dass sich der in Lemgo aufgewachsene Rechtshänder besonders auf die Partie des 15. Spieltages freut, wenn Freunde und Verwandte versuchen werden, einen starken Bietigheimer Fanblock zu bilden. Mittlerweile spielt der 24-Jährige seine dritte Saison im Schwabenland und streitet sich auf der Rückraummitte mit Neuzugang Jonas Link um die Spielzeiten. Link spielt bislang als zentraler Spielgestalter eine überragende Saison, Schmidt kommt in der Regel von der Bank. Mit 18 Toren in den 14 gespielten Partien liegt der BWL-Student mit dem kräftigen Armzug hinter seinem Schnitt aus dem Aufstiegsjahr zurück. Doch am letzten Spieltag wartete SG BBM-Coach Ralf Bader mit einer überraschenden Variante auf, ließ gegen den SC Magdeburg beide Spielgestalter eine Halbzeit lang gleichzeitig von der Leine. „Das war auch für uns etwas überraschend“, so Schmidt, „aber ich glaube, wir haben das ganz gut gespielt.“

Der TBV Lemgo Lippe meldet Personalsorgen an, vor allem im Rückraum. Dort fehlen Abwehrspezialist Isaias Guardiola (Schulterverletzung) und Jung-Nationalspieler Tim Suton (Fußgelenk), die beide Mitte November operiert werden mussten. Das Quartett mit Donát Bartók, Fabian van Olphen, Andrej Kogut und Jonathan Carlsbogård musste die Last im Rückraum fast komplett schultern. Doch das gelingt dank eines breit aufgestellten Kaders und einer starken 6-0-Abwehrformation ganz gut, wie der jüngste 29:24-Heimsieg gegen den TVB Stuttgart eindrucksvoll unter Beweis stellte. Es war der erste Erfolg für die Truppe von TBV-Chefcoach Florian Kehrmann nach sechs sieglosen Spielen. Zusätzlich wurde in dieser Woche mit dem Holländer Dani Baijens ein Mann für die zentrale Position nachverpflichtet. Mit einem weiteren Erfolg gegen Bietigheim will Lemgo sich jetzt von den Abstiegsplätzen auf fünf Punkte absetzen.

„Wir müssen auch in Lemgo wieder geduldig und mit wenigen technischen Fehlern spielen, weil der TBV mit Tim Hornke und Patrick Zieker zwei starke Gegenstoßspieler hat“, gibt Valentin Schmidt die Marschroute für den Sonntag vor. Die beiden Flügelspieler sind die erfolgreichsten Torschützen des Teams aus Ostwestfalen-Lippe. Mit Patrick Zieker wirbelt ein ehemaliger Jugendspieler der SG BBM auf der linken Außenbahn. Das Kleinbottwarer Ausnahmetalent zieht es nach sieben Spielzeiten im Lipperland nach dieser Saison zurück in die Heimat zum TVB Stuttgart.

Bietigheim will bei der Auswärtsaufgabe in Nordrhein-Westfalen an die zuletzt gezeigten Leistungen anknüpfen. Das Spiel der SG BBM gewinnt zusehends an Kontur, die Handschrift von Ralf Bader wird sichtbar. „Wir zeigen vor allem in den letzten Spielen eine klare Entwicklung“, bestätigt Schmidt. „Man darf nicht vergessen, dass es mit einigen Neuzugängen im Rückraum einfach seine Zeit braucht, bis die Abläufe da sind.“ Jetzt  scheint sich nach gut einem Drittel der Saison einiges zusammenzufügen.

Kämpferisch präsentiert der Aufsteiger stets top, das ist in der Bundesliga nicht unbemerkt geblieben. „Das muss die Stärke eines Aufsteigers sein. Wir werden auch in Lemgo 60 Minuten kämpfen bis zum Umfallen“, verspricht Schmidt. Eine weitere Stärke der SG BBM aus der letzten Saison schien schon fast vergessen, das Tempospiel. Eine deutlich stabilere Abwehrleistung soll wesentlich mehr Ansätze in der ersten und zweiten Welle bieten als noch zu Beginn der Saison. Dreh- und Angelpunkt der Defensive waren zuletzt die Leistungen von Domenico Ebner. Nach der Glanzpartie gegen den SC Magdeburg ist der junge Bietigheimer in der Torhüterstatistik der gehaltenen Bälle auf Platz 1 gesprungen.

Wie Ebner hat es auch Valentin Schmidt in seinen drei Jahren in Bietigheim nie an gesundem Selbstvertrauen gemangelt. „Für mich ist es einfach super gelaufen. Nach der ersten Saison, in der wir nur knapp am Aufstieg gescheitert sind, verlief das Aufstiegsjahr mit vielen Spielanteilen optimal, besser geht es nicht. Und jetzt lebt man seinen Traum und spielt in der 1. Liga“. Und der Traum soll so schnell nicht zu Ende sein. „Wir sind im Plan und in einer guten Ausgangslage“, ist Schmidt überzeugt, „Jetzt wollen wir nachlegen.“ Am Sonntag in Lemgo und am nächsten Donnerstag (19 Uhr, MHP Arena Ludwigsburg) gegen den HC Erlangen.