Dürr stellt Weichen für Ergebnisverbesserung in der Umwelttechnik

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Bild: HOMAG autonome Zelle | Foto: Dürr AG
HOMAG reorganisiert Produktion
  • Defizitäres Geschäft mit Mikrogasturbinen wird eingestellt
  • HOMAG-Optimierung: Reorganisation der Produktion in Schopfloch
  • Rund 35 Mio. € Ergebnisbelastung in 2018, positive Effekte bereits 2019

Bietigheim-Bissingen.| Nach dem Kauf der US- Umwelttechnikunternehmen MEGTEC und Universal setzt Dürr die strategische Neuausrichtung seiner Division Clean Technology Systems fort. Um sich in der Umwelttechniksparte künftig auf profitables Geschäft konzentrieren zu können, wird deren defizitäres Geschäft mit Mikrogasturbinen eingestellt. Dies führt im Jahr 2018 zu einem Sonderaufwand von 17 Mio. €. Auch HOMAG (Division Woodworking Machinery and Systems) stellt die Weichen für die Fortsetzung ihres Umsatz-

und Ergebniswachstums. Der Weltmarktführer bei Holzbearbeitungsmaschinen reorganisiert seine Produktion am Standort Schopfloch grundlegend und trägt damit dem gestiegenen Geschäftsvolumen im Systemgeschäft mit kompletten Fertigungslinien Rechnung. Zuletzt hatten Produktionsengpässe das Wachstum von HOMAG beeinträchtigt. Für 2018 erwartet HOMAG eine erneute Ergebnisverbesserung, allerdings wird das EBIT mehr als 10 Mio. € niedriger ausfallen als geplant.

Die Schließungskosten im Mikrogasturbinengeschäft, die Produktionsengpässe bei HOMAG sowie zusätzliche Beratungskosten führen im zweiten Halbjahr 2018 zu einer Ergebnisbelastung von insgesamt rund 35 Mio. €. Daher passt der Dürr- Konzern seine Ertragsprognose an und erwartet für 2018 nun eine EBIT-Marge von 5,8 bis 6,3 %. Bisher waren 6,8 bis 7,3 % angestrebt worden (einschließlich der seit

Anfang Oktober konsolidierten US-Umwelttechnikgesellschaften MEGTEC und Universal). Die EBIT-Marge vor Sondereffekten soll 2018 nun 6,8 bis 7,2 % erreichen, die bisherige Zielspanne betrug 7,4 bis 7,8 %.

Die Optimierungen bei Clean Technology Systems und HOMAG werden sich schon im kommenden Jahr positiv auf das Ergebnis auswirken. Ralf W. Dieter, Vorstandsvorsitzender der Dürr AG: „Wir gehen zwei wichtige Themen an, die unsere Ertragsentwicklung 2018 gehemmt haben. Damit legen wir die Basis, um das Ergebnis 2019 und in den Folgejahren nachhaltig zu steigern.“

Clean Technology Systems startet ohne Ergebnisbelastung mit neuer Aufstellung
Das defizitäre Geschäft mit Mikrogasturbinen, die Strom und Wärme erzeugen, ist Teil des 2011 gegründeten Bereichs Energieeffizienz von Clean Technology Systems. Angesichts der geringen Nachfrage sowie hoher Entwicklungsaufwendungen für die Technik wäre auch in den kommenden Jahren mit deutlichen Verlusten zu rechnen gewesen. Ralf W. Dieter: „Zum einen haben sich die in die Technik gesetzten Erwartungen nicht erfüllt, zum anderen ist die Nachfrage nach Energieeffizienzanlagen aufgrund der niedrigen Energiepreise sehr gering. Daher wäre eine Fortführung des Verlustgeschäfts nicht mehr vertretbar gewesen.“

Der Ausstieg aus dem Mikrogasturbinengeschäft macht den Weg frei für eine positive Entwicklung von Clean Technology Systems. In ihrem weitaus größeren Kerngeschäft, der industriellen Abluftreinigungstechnik, hat sich die Division durch die Übernahme von MEGTEC/Universal Anfang Oktober als Weltmarktführer neu aufgestellt. Mit der Übernahme verdoppelt sich der Umsatz von Clean Technology Systems auf rund 400 Mio. €. Bis 2021 soll er durch die Nutzung von weltweiten Marktchancen und Synergiepotenzialen auf bis zu 500 Mio. € steigen, die EBIT- Marge soll auf 6 bis 7 % zulegen. Ralf W. Dieter: „Clean Technology Systems besitzt nun eine gute Ausgangsposition: Die Übernahme von MEGTEC/Universal eröffnet Größenvorteile und sichert einen verbesserten weltweiten Zugang zu Kunden in der Abluftreinigungstechnik. Durch den Wegfall der Verluste im Mikrogasturbinengeschäft kann die Division unbelastet ihre Wachstumsziele verfolgen.“ Die rund 20 Mitarbeiter aus dem Mikrogasturbinengeschäft erhalten die Möglichkeit, in andere Bereiche des Konzerns zu wechseln.

HOMAG stellt sich auf wachsendes Systemgeschäft ein
HOMAG stellt sich auf das Wachstum im Systemgeschäft mit kompletten Linien für die Möbelproduktion ein. Am Hauptstandort Schopfloch wird die Produktion grundlegend reorganisiert und ein effizientes Produktionssystem eingeführt, um weiteres Wachstum zu ermöglichen. HOMAG hat in den vergangenen Jahren eine starke Stellung bei automatisierten und digital vernetzten Produktionslinien aufgebaut. Darüber hinaus profitiert das Unternehmen von der starken Nachfrage nach Anlagen für die effiziente Fertigung kundenindividueller Möbel in Losgröße Eins. Für 2019 erwartet HOMAG ein weiteres Umsatzplus bei steigender Marge. „HOMAG ist gut auf seinem Optimierungskurs vorangekommen. Das zeigen die deutlichen Ergebnisverbesserungen, die seit 2014 kontinuierlich realisiert wurden. Die Reorganisation in Schopfloch ist ein weiterer wichtiger Schritt auf diesem Weg“, so Ralf W. Dieter. An den weiteren HOMAG-Standorten verläuft die Umsatz- und Ergebnisentwicklung wie erwartet. Für die kommenden Jahre werden weitere Zuwächse erwartet, wenngleich das Wachstumstempo moderater sein wird.

Ausblick für Auftragseingang und Umsatz 2018 bestätigt
Die Ziele des Dürr-Konzerns für Auftragseingang (3.650 bis 3.950 Mio. €) und Umsatz (3.750 bis 3.950 Mio. €) im Jahr 2018 bleiben unverändert und berücksichtigen ebenfalls die Effekte aus dem Kauf von MEGTEC/Universal. Beim Cashflow strebt Dürr weiterhin eine Verbesserung gegenüber dem Vorjahr an.

Konzernziele für 2020 angepasst
Eine weitere große Firmenakquisition steht derzeit aufgrund der sehr hohen Unternehmensbewertungen nicht in Aussicht. Daher hat Dürr aus heutiger Sicht seine langfristigen Konzernziele für 2020 angepasst. Beim Umsatz werden für 2020 nun 4.000 bis 4.200 Mio. € angestrebt, der Zielkorridor für die EBIT-Marge beträgt nun 7,0 bis 8,0 %. Die bisherigen Ziele von bis zu 5.000 Mio. € Umsatz und 8 bis 10 % EBIT-Marge hatten eine weitere große Unternehmensakquisition beinhaltet.