Erste Röhre des Tunnels Feuerbach durchgeschlagen

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Bild: Stolze Mineure der Arbeitsgemeinschaft Tunnel Feuerbach nach dem erfolgreichen Durchschlag am Montag | Foto: DB Projekt Stuttgart-Ulm GmbH/Arnim Kilgus
  • Zwei Drittel aller Tunnelmeter von Stuttgart 21 vorgetrieben
  • Nahezu alle relevanten Anhydritbereiche erfolgreich durchfahren

Stuttgart.| Die DB Projekt Stuttgart–Ulm GmbH hat den Durchschlag in der 2.560 Meter langen Weströhre des Tunnels Feuerbach gefeiert. Nach weniger als dreieinhalb Jahren ist die erste der beiden eingleisigen Röhren zwischen dem Bahnhof Feuerbach und dem Nordkopf des künftigen Stuttgarter Hauptbahnhofs aufgefahren. Damit sind rund zwei Drittel der 58.810 Tunnelmeter von Stuttgart 21 vorgetrieben. Der Durchschlag der zweiten Röhre des Tunnels Feuerbach erfolgt voraussichtlich im Juli.

Aufwendige Maßnahmen zur Sicherheit
Der Durchschlag stellt einen weiteren wichtigen Schritt bei der Neuordnung des Stuttgarter Bahnknotens dar – auch weil der Vortrieb der Röhren unter schwierigen geologischen Bedingungen erfolgte und immer noch erfolgt: Die Vortriebsmannschaften der Arge Tunnel Feuerbach fahren ebenso wie ihre Kollegen im Tunnel Bad Cannstatt den Tunnel teilweise in quellfähigem Gestein, dem sogenannten Anhydrit, auf. „Der Tunnelbau im Anhydrit ist anspruchsvoll und bedarf technisch und baubetrieblich besonderer und komplexer Maßnahmen, um einen für die nächsten 100 Jahre sicheren und gebrauchstauglichen Tunnel herzustellen. Wir haben inzwischen so gut wie alle relevanten Anhydritlinsen erfolgreich durchfahren, ohne dass es zu nennenswerten Hebungen gekommen ist“, sagte Olaf Drescher, der stellvertretende Vorsitzende der Geschäftsführung der DB Projekt Stuttgart–Ulm GmbH.

„Die Mineure haben mir bei meinen Baustellenbesuchen immer wieder die Gelegenheit gegeben, ihnen bei der Arbeit über die Schulter zu schauen. Ich habe allergrößten Respekt vor ihrer Leistung“, sagte Selma Kreutzer, die als Mitarbeiterin der Projektgesellschaft im Jahr 2014 die Tunnelpatenschaft übernommen hatte.

Nur noch 300 Meter Vortrieb in der Oströhre des Tunnels Feuerbach
Gegraben werden muss für den Tunnel Feuerbach nun noch der Rest der Oströhre – etwa 300 Meter – und ein Teil des zweigleisigen Tunnelabschnitts Richtung Feuerbach. „Ein Tunneldurchschlag markiert für uns alle einen wichtigen Meilenstein im Projekt. Wir sehen ab heute das Licht am Ende des Tunnels. Dies wurde durch die harte Arbeit unserer Mineure erreicht“, sagte der Vorsitzende der Geschäftsleitung der Baresel GmbH, Claude-Patrick Jeutter. Beide Gleise der Zuführung Feuerbach verlaufen unter dem Kriegsberg und dem Killesberg hindurch und erreichen vor dem Bahnhof Feuerbach die Erdoberfläche. Etwa unter dem Höhenfreibad Killesberg vereinigen sich die beiden eingleisigen Röhren Richtung Feuerbach zu einem zweigleisigen Tunnel. Das Verzweigungsbauwerk, in dem sich die Äste in Richtung Bad Cannstatt und Feuerbach aufspalten, befindet sich vom Nordkopf des künftigen Stuttgarter Hauptbahnhofs aus gesehen etwa 200 Meter im Kriegsberg. Der Tunnel für die Fern- und Regionalzüge von und nach Feuerbach wurde in der Neuen Österreichischen Tunnelbauweise (NÖT) hergestellt. Die zwei eingleisigen Tunnelröhren sind zur Sicherheit für Notfälle alle 500 Meter mit einem Verbindungsbauwerk miteinander verknüpft.

Beeindruckende Zahlen, Daten, Fakten
– Der Tunnel ist Teil des TEN-Korridors 17, der Magistrale für Europa und stellt von Norden her kommend die direkte Anbindung zum neuen Hauptbahnhof dar.

– Mit dem Bau des Tunnels wurde 2012 eine Arbeitsgemeinschaft aus den Unternehmen Baresel GmbH und Alfred Kunz Untertagebau München sowie der Walo Bertschinger AG aus der Schweiz beauftragt. Die gesamte Tunnelbauleistung beträgt über sechs Kilometer, die beauftragte Bausumme rund 185 Millionen Euro.

– Die vorbereitenden Arbeiten für den Tunnel begannen im August 2014 mit der Einrichtung des Zwischenangriffs Prag.

– Anschlagsfeier war am 10. Dezember 2014.

– Auf den Baustellen des Tunnels Feuerbach arbeiten bis zu 200 Personen.

– Der Tunnelquerschnitt im Bereich der eingleisigen Tunnelröhren liegt bei rund zehn Metern. Der größte Tunnelquerschnitt mit rund 22 Metern befindet sich in den jeweils zweigleisigen Tunnelbereichen zwischen Hauptbahnhof und dem Verzweigungsbauwerk im Kriegsberg, in dem sich die Bahnstrecken nach Feuerbach und Bad Cannstatt trennen.

– Von den – inklusive der Querschläge – 6.054 Tunnelmetern des Tunnels Feuerbach sind rund 5.400 Meter aufgefahren.

– Für Stuttgart 21 sind rund 38 der knapp 59 Kilometer Tunnel vorgetrieben.