Ausgrabungen auf der Baustelle des künftigen Hauptbahnhofs

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Foto: © Bahnprojekt Stuttgart-Ulm

Archäologen erhoffen sich neue Erkenntnisse über die Nutzung des Stuttgarter Talkessels während der vergangenen 400 Jahre

Das Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart hat mit Unterstützung der DB Projekt Stuttgart–Ulm GmbH in den Bauabschnitten 18 bis 20 der Baustelle des künftigen Stuttgarter Hauptbahnhofs mit erneuten archäologischen Untersuchungen begonnen. Im Rahmen der bis Mitte Juni geplanten Ausgrabungen auf der Stuttgart-21-Baustelle sollen mehrere Kanalbauwerke des historischen Schlossgartens untersucht werden.

Bereits im August 2014 war ein Teil der nun erneut im Fokus stehenden Strukturen freigelegt und dokumentiert worden. Damals wurde auf rund 25 Metern Länge eine Konstruktion aus Schilfsandsteinplatten freigelegt, die zu einem repräsentativ gestalteten Kanal der Barockzeit gehörte. Die damaligen Untersuchungen mussten jedoch aufgrund der übergangsweise errichteten Fuß- und Radwegrampe über die Bahnhofsbaustelle unterbrochen werden.

In der Folgezeit wurden im Rahmen einer zwischen dem Landesamt für Denkmalpflege und der DB Projekt Stuttgart–Ulm GmbH geschlossenen Vereinbarung sämtliche Erdarbeiten im Bahnhofstrog archäologisch überwacht. Im Bereich der Bauabschnitte 18 bis 20 zeigten sich dabei wiederholt weitere Reste von Wasserführungen, die in die Zeit vor Anlage des Schlossgartens durch Nikolaus von Thouret im frühen 19. Jahrhundert zurückreichen. Nach dem Rückbau der Fuß- und Radwegrampe sollen nun die archäologischen Untersuchungen fortgesetzt und abgeschlossen werden.

Historisches, unbefestigtes Bett des Nesenbachs
Der erste Überblick über die bisher erst grob freigelegten Strukturen bestätigt deren Umfang und guten Erhaltungszustand. In der Fläche der bisher um circa zwei Meter abgetieften Bauabschnitte zeichnet sich als ältester Befund ein historisches, noch unbefestigtes Bett des Nesenbachs ab, das offenbar intentionell verfüllt wurde, als im 16., spätestens 17. Jahrhundert der Nesenbach in künstliche Kanäle geleitet wurde. Deren Steinfassungen ruhen auf Substruktionen aus mächtigen Holzbalken, die verhindern sollten, dass sich die Kanäle im weichen Untergrund absenken. Im Umfeld sind weitere Pfahlgründungen aus schwächeren Holzpfosten erkennbar, deren Alter und Funktion momentan noch nicht geklärt sind.

Die Funde und Befunde der aktuellen Untersuchungen versprechen nicht alleine Informationen zur geschichtlichen Entwicklung des Schlossgartens, sondern auch zur Umweltgeschichte des Stuttgarter Talkessels.

Die Ausgrabungen in den Bauabschnitten 18 bis 20 sind in der Bauablaufplanung des PFA 1.1 berücksichtigt.