S-Bahn Stuttgart bald komplett online

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Vorstellung der neuen WLAN-Flotte: Regionaldirektorin Dr. Nicola Schelling und Dr. Dirk Rothenstein, Vorsitzender der S-Bahn Stuttgart | Foto: © Bahn.de
Größte WLAN-Flotte geht an den Start
  • Erste S-Bahnen mit WLAN ausgerüstet
  • Infotainment-Portal will auch innovative Mobilitätslösungen anbieten

Stuttgart.| Die S-Bahn Stuttgart geht online! Gemeinsam mit dem Besteller Verband Region Stuttgart wird heute, 24. Oktober 2017, in Plochingen eins von bisher vier mit WLAN ausgerüsteten Fahrzeugen vorgestellt und damit den Fahrgästen das Startsignal für kostenloses Internet-Surfen in der S-Bahn gegeben. Die Fahrzeuge werden ab sofort auf den S-Bahn-Linien S4, S5 und S6/S60 eingesetzt.

„Gerade für Pendler bietet WLAN in S-Bahnen die Möglichkeit, den Arbeitstag langsam beginnen oder ausklingen zu lassen. Das bringt einen enormen Wettbewerbsvorteil gegenüber dem Auto“, sagt Regionaldirektorin Dr. Nicola Schelling vom Verband Region Stuttgart. Doch das Auto hole auf. „Deshalb sind wir dabei, weitere Anwendungen für Digitalisierung im Sinne eines noch attraktiveren S-Bahn-Verkehrs ins Auge zu fassen“, führt sie mit Verweis auf die laufenden Untersuchungen zur elektronischen Signalisierung ETCS aus.

Dr. Dirk Rothenstein, Vorsitzender der S-Bahn Stuttgart, stimmt mit der Regionaldirektorin überein: „Wir wollen, dass unsere Fahrgäste moderne Mobilität mit der S-Bahn verbinden. Durch das WLAN in den Fahrzeugen können wir digitale Anwendungen, die für unsere Kunden während und nach der Fahrt nützlich sind, noch gezielter einsetzen. “

Der Verband Region Stuttgart und die S-Bahn Stuttgart investieren für die Technik sowie für den Betrieb, der zunächst auf sechs Jahre angelegt ist, gemeinsam insgesamt fast fünf Millionen Euro.

Zeitplan für die Ausstattung der S-Bahnen mit WLAN
Die WLAN-Ausrüstung der gesamten S-Bahn-Fahrzeugflotte mit über 150 S-Bahnen soll im Sommer 2019 abgeschlossen werden. Zunächst werden bis Sommer 2018 die 60 Fahrzeuge der Baureihe 423, die auf den Linien S4, S5 und S6/S60 eingesetzt werden, und der 426er, der auf der sogenannten Schusterbahn zwischen Stuttgart-Untertürkheim und Kornwestheim verkehrt, ausgestattet. Daran schließt dann die Ausstattung der 97 Züge der Baureihe 430 an, die auf den Linien S1, S2 und S3 fahren. Darüber hinaus erhalten auch die vier Dieseltriebzüge, die auf der Teckbahn eingesetzt werden, die WLAN-Ausstattung.

Projektleiter Scharmach: „Rund 40 Kilometer Kabel für alle Fahrzeuge.“
Roman Scharmach leitet bei der S-Bahn Stuttgart das Projekt WLAN-Einbau. „Für die Ausstattung eines Fahrzeugs mit WLAN planen wir rund drei Arbeitstage ein. So schaffen wir bis zu zwei S-Bahnen in der Woche“, sagt Scharmach. Als die fünf wichtigsten Bauteile pro Fahrzeug zählt Scharmach auf:

• Den Box-PC bestehend aus Rechner, Router, Modem und Festplatte, auf der unter anderem das Informationsangebot und die Unterhaltungselemente für die User hinterlegt sind

• Drei Access-Points mit je einer Innenantenne, die die Signale der Endgeräte der Kunden an den Router übermitteln

• Zwei Außenantennen unter anderem zur Verbindung mit dem Mobilfunk

• etwa 260 Meter Leitungen für Datenfluss, Stromversorgung und Antennenanschluss

• 24 verschiedene Steckanschlüsse

Techniker Georgios Denikouros montiert WLAN-Ausrüstung in der S-Bahn (Bild: Gottfried Stoppel)

„Wenn wir im kommenden Sommer alle 423er mit WLAN ausgestattet haben, dann haben wir rund neun Kilometer Stromversorgungsleitungen, fünf Kilometer Datenleitungen und zwei Kilometer Antennenleitungen verlegt. Für die Gesamtflotte sind das am Ende über 40 Kilometer Kabel “, fasst der Projektleiter Scharmach den WLAN-Einbau zusammen.

Das für das WLAN zugrunde liegende IT-System wurde von der DB Fahrzeuginstandhaltung unter dem Produktnamen Colibri (steht für „Coach Link for Broadband Information Exchange“) entwickelt. Die Produktangebote Colibris sind in einem eigenen Netzwerk verbunden. Die Entwicklung innovativer Produktlösungen ist damit unabhängig von dem Fahrzeug, in dem sie eingesetzt wird. Darüber hinaus bietet das System genügend Speicherkapazitäten für Informationsangebote und Unterhaltungselemente, auf die die Nutzer permanent störungsfrei zugreifen können. Die Leistungsfähigkeit des Systems bei hohen Nutzerzahlen wurde vorab in der S-Bahn-Werkstatt in Plochingen in einem speziellen WLAN-Bus getestet, der mit komponentengleicher Ausrüstung ausgestattet ist. Über WLAN hinaus bietet Colibri hinaus auch weitere Module wie zum Beispiel im Bereich der Fahrzeugdiagnose.

Auf das WLAN, fertig, los! – Wie sich Fahrgäste mit dem WLAN verbinden
Die Verbindung mit dem WLAN ist einfach: am mobilen Endgerät WLAN aktivieren, das Netzwerk „[email protected]“ auswählen und die Nutzungsbedingungen akzeptieren. Noch einfacher wird das Verbinden mit der App „[email protected] Regio“, die aus den bekannten Stores kostenfrei heruntergeladen werden kann.

In den mit WLAN ausgerüsteten S-Bahnen sind entsprechende Banner angebracht, auf denen der Verbindungsvorgang Schritt für Schritt beschrieben wird. Darüber hinaus sind die Fahrzeuge außen mit dem bekannten WLAN-Symbol gekennzeichnet.

Gemeinsames Portal mit regionalen Informationen und Unterhaltung
Für die Fahrgäste der S-Bahn Stuttgart bieten die S-Bahn Stuttgart und der Verband Region Stuttgart ein gemeinsames Portal mit regionalem Schwerpunkt an. „Auf den Speicherplatten des IT-Systems haben wir ein umfangreiches Informationsangebot und zahlreiche Unterhaltungselemente abgelegt. Dadurch haben die Fahrgäste unabhängig von der Mobilfunkausleuchtung ein störungsfreies und permanentes Angebot“, sagt Dr. Dirk Rothenstein. Für Pendler- und Vielfahrer sind die Newsfeeds regionaler Medien zusammengefasst. Im Bewegtbild gibt es die Tagesschau in 100 Sekunden. Darüber hinaus informiert die S-Bahn über die aktuelle Betriebslage. Für Ausflugs- und Freizeitreisen gibt es Tipps zu Veranstaltungen und Zielen, die mit der S-Bahn gut zu erreichen sind. Das Portal wird abgerundet durch Unterhaltungselemente – wie Spiele und Quiz – für Erwachsene sowie Kinder. Es stehen außerdem Informationen rund um den Verband Region Stuttgart sowie dessen Imagefilm zur Verfügung.

„Wir wissen, dass die digitale Welt sehr dynamisch ist. Deshalb verfolgen wir die Möglichkeiten, die uns die Digitalisierung bietet, auch ganz genau“, sagt Rothenstein. Und er ergänzt: „Wir wollen das WLAN-Portal Zug um Zug um Services erweitern, die unseren Fahrgästen einen Mehrwert bieten. Wir haben zum Beispiel die Idee, dass sich die Kunden in Zukunft ihre Anschlussmobilität wie etwa das RegioRad über das Portal organisieren können.“ „Das entspricht voll umfänglich unseren Erwartungen“, ergänzt Dr. Nicola Schelling. „Schließlich liege der eigentliche Vorteil des Portals darin, verlässliche, aktuelle und nutzerfreundliche Informationen auf Knopfdruck zur Verfügung zu stellen.“