Uhren: Setzen Luxushersteller jetzt auf Smartwatches?

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Bildrechte: Flickr Apple Watch Sport Yasunobu Ikeda CC BY-SA 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten

Schaute man sich in den letzten Jahren auf den großen Uhrenmessen um, entstand schnell der Eindruck, dass der Trend zu immer mehr Luxus, zu immer teureren Preisen und zu immer weniger Alltagstauglichkeit ging. Daran schien zunächst auch der Siegeszug der Smartwatches kaum etwas zu ändern. Doch seit die Apple Watch zur zweitmeist verkauften Uhr der Welt avanciert ist und Marken wie TAG Heuer erste smarte Zeitmesser auf den Markt bringen, setzt ein Umdenken ein. Beginnt jetzt das Zeitalter der Luxus-Smartwatches?

Apple legt vor
Die Luxusuhrenbranche ist relativ krisenresistent: Zwar setzten ihr billige Quarzuhren in den 1980er und zuletzt auch ein schwächelnder chinesischer Markt zu, doch konnte man sich immer erholen – nicht zuletzt dank zeitloser Produkte, die von Wertbeständigkeit und langlebiger Mechanik leben. So schienen bislang auch Kleincomputer am Handgelenk kaum eine Konkurrenz zu sein – hieße der Konkurrent nicht Apple. Schließlich versteht es kaum ein Unternehmen besser, ein Produkt so gut zu vermarkten und ganze Branchen umzukrempeln wie der Elektronikriese aus Kalifornien – immerhin waren auch Handys nach Einführung des iPhones nicht mehr dieselben. Widerfährt dieser Paradigmenwechsel auch der Uhrenbranche? Verkaufszahlen nach zu urteilen, ist das zumindest wahrscheinlich: Nach nur gut zwei Jahren am Markt, ist Apple in Bezug auf den Umsatz inzwischen die zweitgrößte Uhrenfirma der Welt – nur bei dem Branchenprimus Rolex sind die Verkaufszahlen noch besser.

Dennoch: Die Smartwatch ist für Uhren im oberen Luxus-Segment noch keine Konkurrenz. Hatte Apple mit der ersten Generation der Uhr noch versucht, mit Modellen aus Gelb- und Roségold für fünfstellige Euro-Beträge die Zielgruppe für gehobene Luxusuhren zu locken, wurde diese Ausführung mit der zweiten Generation wieder aufgegeben. Die meisten aktuellen Modelle der Apple Watch liegen dieser Übersicht zufolge preislich zwischen 400 und 700 Euro und konkurrieren daher eher mit mechanischen Uhren des Einstiegs- und Mittelklasse-Segments. Marken wie Tissot, deren mechanische Zeitmesser im gleichen Preisrahmen angesiedelt sind, sollten sich also vor dem Mitbewerber aus dem Hause Apple in Acht nehmen.

TAG Heuer zieht nach
Dennoch beschäftigen sich auch andere Schweizer Marken, deren Uhren tendenziell eher hochpreisig sind, mit dem Thema Smartwatch – allen voran TAG Heuer. Das Unternehmen hat inzwischen die zweite Version der hauseigenen Smartwatch „Connected Modular“ auf den Markt gebracht – das neue Modell wird ab dem 22. September 2017 sogar im Agenten-Blockbuster „Kingsman 2“ von Matthew Vaughn zu sehen sein. Die Verkaufszahlen sprechen in jedem Fall für die Schweizer Smartwatch: Im Interview mit der Neuen Zürcher Zeitung erklärt Jean-Claude Biver, CEO bei TAG Heuer und Leiter der Uhrensparte im LVMH-Konzern, dass in den ersten 14 Monaten nach der Lancierung 56.000 Stück der „Connected“ abgesetzt wurden – weit mehr als die anfangs angepeilten 20.000 Stück. Für das laufende Jahr geht Biver bereits von 150.000 verkauften Modellen aus. In jedem Fall darf man gespannt sein, was Apple, TAG Heuer und Co. in den kommenden Jahren an intelligenter Uhrentechnologie präsentieren werden. Biver sieht die Smartwatch jedenfalls „erst am Anfang ihrer Existenz“ und erwartet für die Zukunft noch Großes.

Bildrechte: Flickr Apple Watch Sport Yasunobu Ikeda CC BY-SA 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten