Gemeinderat besucht Festo in Scharnhausen

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Ostfildern.| Mitglieder des Gemeinderats haben sich bei einem Besuch der Technologiefabrik Festo in Scharnhausen über das Werk, seine Produkte und die Entwicklungsmöglichkeiten am Standort informiert.

„Das Unternehmen Festo ist fest in der Region verwurzelt. Das ist für uns auch eine Verpflichtung. Als im Jahr 2011 klar war, dass wir in Berkheim nicht weiter wachsen können, haben wir uns daher bewusst dazu entschieden, die Produktion nicht ins Ausland zu verlagern. Wir glaubten an den Standort, und das hat sich als sehr gut erwiesen. Scharnhausen ist einer der großen Festo-Standorte in Deutschland“, sagte Stefan Schwerdtle, der Werksleiter der Technologiefabrik Festo in Scharnhausen. Mitglieder des Gemeinderats, Oberbürgermeister Christof Bolay und Erster Bürgermeister Rainer Lechner haben das Werk im Gewerbegebiet an der Plieninger Straße am Dienstag besucht und sich über die Unternehmensphilosophie, die Produkte, das Arbeitsplatzangebot und die Entwicklungsmöglichkeiten dort informiert.

Wie Stefan Schwerdtle erläuterte, beschäftigt Festo am Standort Scharnhausen derzeit rund 1.800 Mitarbeiter. 66.000 Quadratmeter Produktions- und Logistikfläche stehen zur Verfügung, doch nicht alle davon sind auch belegt. „Wir haben Flächen im Vorgriff auf weiteres Wachstum freigehalten, denn die Prognosen sind sehr gut“, sagte Schwerdtle. Derzeit werde mit einem Wachstum von durchschnittlich zehn Prozent pro Jahr gerechnet. Die Zahl der Arbeitsplätze im Werk in Scharnhausen könnte damit auf bis zu 2.000 im Jahr 2020 ansteigen. In Scharnhausen fertigt das Unternehmen Ventile und Ventilgehäuse, Schaltschränke, Antriebs- und Steuerblöcke für industrielle Kunden im Maschinen- und Fahrzeugbau, aber auch Leiterplatten und elektronische Baugruppen.

Das Unternehmen verstehe sich grundsätzlich als Innovationsträger und habe sich zum Ziel gesetzt, nicht nur Produkte durch Fortentwicklung an immer komplexere Aufgaben anzupassen, sondern „die Dinge neu zu denken“, sagte Schwerdtle. Dazu gehöre, dass die Automatisierung der Abläufe im Werk etwa durch eine hochentwickelte Mensch-Maschine-Kooperation bereits wesentliche Aspekte der Produktion der Zukunft vorwegnehme. Durch eine hochmoderne Produktion und das Versprechen an die Kunden, in kurzer Frist individuell fertigen zu können, werden im Unternehmen hohe Anforderungen an die Flexibilität der Mitarbeiter gestellt. „Und wir setzen auf eine fortlaufende Qualifizierung und haben dafür eigens eine Lernfabrik im Haus installiert“, berichtete Schwerdtle.

Wie der Betriebsleiter beschrieb, setzen die Entwickler von Produktionsrobotern bei Festo auf die Bionik. Dabei nehmen sich die Forscher die Natur zum Vorbild, wo sich oft verblüffend einfache Lösungen für hochkomplexe Aufgaben finden lassen. Die Maschinen, die anhand dieser Erkenntnisse entwickelt werden, sind teilweise in Scharnhausen im Einsatz und können somit potentiellen Kunden im Einsatz gezeigt werden. Sie waren auch Anlass eines Informationsbesuchs der Bundeskanzlerin Angela Merkel im Werk Scharnhausen.

Christof Bolay dankte Schwerdtle für die Möglichkeit eines Einblicks in das Werk. Der Besuch der Gemeinderatsmitglieder sei ein deutliches Zeichen dafür, „dass das Interesse am Werk und auch daran, was Festo in Scharnhausen noch vorhat, sehr groß ist“, sagte Bolay.

Die Ratsmitglieder zeigten sich beeindruckt von den Produktionsabläufen im Werk und dessen Perspektiven. Einige von ihnen thematisierten, auch unter dem Eindruck der hohen Zahl an Mitarbeitern, die Frage der Verkehrsbelastung des Stadtteils und der Anbindung des Werks an den öffentlichen Nahverkehr. Rainer Lechner erläuterte, dass dieses Thema bereits im Kreistag diskutiert wurde, die Veränderung der Taktzeiten auf den Buslinien jedoch ein sehr schwieriges und auch kostenträchtiges Unterfangen sei. „Mit der Verlängerung der S-Bahnlinie auf den Fildern wird es aber Veränderungen bei der Linienführung und der Taktung der Busse geben“, sagte er.