Werke von 1958 bis 2000

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Die Galerie der Kreissparkasse in Kirchheim zeigt Lothar Quinte

Esslingen.| Lothar Quintes Arbeiten strahlen eine fast sakrale Ruhe und Tiefe aus. Sie wirken wie die idealen Entschleuniger einer schnelllebigen und hektischen Zeit. Beim Besuch in der Galerie der Kreissparkasse in Kirchheim überkommt den Betrachter eine fast meditative Gelassenheit: innehalten, Kunst genießen. Mehr als 60 überwiegend großformatige Werke aus der Zeit zwischen 1958 und 2000 geben einen nachhaltigen Einblick in die vielfältigen Schaffensphasen des erfolgreichen Künstlers der Op(tical)-Art von den informellen Anfängen über die konstruktiven 60-er und 70-er Jahre bis zu seinem lakonischen Spätwerk.

„Lothar Quinte ist von gestern.“ Der Satz sitzt. Kunstexperte Dr. Tobias Wall spielte in seiner Einführungsrede im Rahmen der Vernissage auf die positive geschichtliche Entwicklung an. 1923 in Oberschlesien geboren, lernte Quinte zunächst Maler in Leipzig, der Kriegsdienst folgte, Gefangenschaft und schließlich ein Neuanfang im Schwäbischen als Schüler von HAP Grieshaber. Seit 1951 arbeitete der Klassiker der südwestdeutschen Kunstgeschichte als freischaffender Künstler und erhielt zahlreiche Auszeichnungen. Er starb im Jahr 2000 in Wintzenbach im Elsaß, wo er sein Kunstatelier führte.

Die Anfänge des Quinte‘schen Bilderkosmos kennzeichnen zwei Leinwände aus den 50-er Jahren: energische Farbspuren in wilden Schwüngen als Reaktion auf die „Nierentisch-Spießigkeit und kleinbürgerliche Ordnungssucht im Nachkriegsdeutschland“. Er erhält wichtige Aufträge für Kunst am Bau in ganz Deutschland. Kurator Wall hob besonders die Kirchenfenster hervor, zunächst in Reutlingen, Groß Schönach und Ditzingen, auf die Aufträge in Bonn und Lübeck folgten. Warum denn in die Ferne schweifen, wenn das Feuerwerk der Farben so nah zu besichtigen ist? Ein sehr beeindruckendes Werk befindet sich in der Kirche St. Augustinus in Esslingen-Zollberg, wo Lothar Quinte gemeinsam mit anderen Künstlern einen ganzen Kirchenraum aus bunten Glasfenstern gebaut hat. Die dringende Empfehlung des Kunstexperten: Diese Kirche unbedingt anschauen!

Auf die energischen Gesten des Frühwerks folgen klare, vertikale Bewegungen, nach und nach kommen geometrische Elemente ins Spiel. Augenfälliges Beispiel für die „Präzision kühler Farbpoesie“ ist der Farbparavant, in dem das Tageslicht die Rhythmisierung und Farbwirkung mitgestaltet und der lange nicht öffentlich gezeigt wurde, wie Wall weiß. Die letzte Schaffensphase dieses Künstlers von internationalem Format zeichnet sich durch Bildräume von sinnlicher Poesie und beruhigender Weite aus. Es sind unaufgeregte Farbklangkompositionen, die an Musik erinnern, die „Ewigkeit, Richtigkeit und Wahrhaftigkeit“ ausstrahlen. Werte „von gestern“ in einer Kunst, die eine zeitlose Gültigkeit besitzt.

Die Ausstellung im KundenCenter Kirchheim, Alleenstraße 160, ist bis 14. Juli von Montag bis Freitag jeweils von 9 bis 13 Uhr und von 14 bis 17 Uhr zugänglich.