Hochkomplexe unterirdische Tunnelkreuzung entsteht an der Ehmannstraße

177
Foto: DB Projekt Stuttgart-Ulm GmbH
  • Bergmännischer Vortrieb schont geschützte Juchtenkäfer und den Rosensteinpark
  • 6.500 Lkw-Fahrten weniger auf öffentlichen Straßen
  • S-Bahn-Tunnel Rosenstein seit wenigen Tagen im Bau

Stuttgart.| Im Bereich der Stuttgart-21-Tunnelzuführungen zwischen Hauptbahnhof und Bad Cannstatt entsteht eines der komplexesten Bauwerke des gesamten Bahnprojekts Stuttgart–Ulm. Im Bereich der Ehmannstraße am Rand des Rosensteinparks unterquert der neue S-Bahn-Tunnel zwischen Mittnachtstraße und Bad Cannstatt die ebenfalls unterirdisch verlaufenden Fernbahngleise zwischen dem künftigen Hauptbahnhof und Bad Cannstatt. Mit dem Bau des hierfür notwendigen komplizierten Kreuzungsbauwerks hat die DB Projekt Stuttgart–Ulm GmbH in diesen Tagen begonnen. Voraussetzung dafür war die Genehmigung der 22. Planänderung des Eisenbahn-Bundesamts, die seit Mitte Februar vorliegt.

Der bergmännische Vortrieb wurde anstatt der bereits planfestgestellten offenen Bauweise notwendig, weil Artenschutzexperten an der Erdoberfläche des im Flora-Fauna-Habitats „Glemswald und Stuttgarter Bucht“ gelegenen Gebiets zwei Brutbäume des streng geschützten Juchtenkäfers gefunden hatten. Vier weitere Bäume beherbergen möglicherweise ebenfalls Juchtenkäfer.

Die Planänderung stellt in mehrerlei Hinsicht eine bautechnische Herausforderung dar: Die zwei sich unmittelbar berührenden Röhren entstehen im Bereich der Kreuzung bergmännisch, zunächst der S-Bahn-Tunnel in 28 Meter Tiefe, später der darauf ruhende Fernbahntunnel. Ungewöhnlich ist zudem ein Vortrieb, der vergleichsweise nahe an der Geländeoberkannte stattfindet. „Die Planung und die Umsetzung eines derart komplexen Bauvorhabens sind für jeden Ingenieur eine ebenso große wie reizvolle Herausforderung“, sagt Christoph Lienhart, Projektleiter im Planfeststellungsabschnitt 1.5.

Die im März 2016 eingereichte Planänderung ermöglicht es nun nicht nur, Käfer zu schützen. Überdies muss die Ehmannstraße nicht verlegt werden, der Rosensteinpark bleibt somit weitgehend unangetastet. Schließlich wird der innerstädtische Straßenverkehr um etwa 6.500 Lkw-Fuhren entlastet. Der Erdausbruch für den Fernbahntunnel wird über den Zwischenangriff Rosenstein über die bereits fertig betonierte Fahrbahn der Tunnelröhre Richtung Zwischenangriff Nord und von dort zur zentralen Baulogistik abtransportiert. „Wir freuen uns, dass das Eisenbahn-Bundesamt die Planänderung für die bauliche Umsetzung zeitgerecht genehmigt hat“, sagt Dr. Florian Bitzer, Leiter des Bereichs Projektbeteiligte und Umwelt bei DB Projekt Stuttgart–Ulm GmbH.

Die Planänderung verursacht Kosten in Höhe von rund 20 Millionen Euro.