Allan Kaprow – Malerei 1946-1957

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Neue Ausstellung in der Galerie der Stadt Esslingen, Villa Merkel: Allan Kaprow – Malerei 1946-1957, eine Werkschau

Esslingen.| Die Villa Merkel, Galerie der Stadt Esslingen zeigt vom 19. März bis zum 28. Mai 2017 die Ausstellung „Allan Kaprow – Malerei 1946-1957, eine Werkschau“, präsentiert somit Kunstgeschichte und bietet Entdeckungen in Einem. Die Eröffnung findet am Sonntag, 19. März 2017  um 11 Uhr in der Villa Merkel, Pulverwiesen 25 statt. Zu sehen sind Gemälde des weltberühmten Aktionskünstlers Allan Kaprow. Die Ausstellung trägt etwa 50 Werke aus der Zeit zwischen 1946 und 1957 zusammen, von denen ein Großteil noch nie ausgestellt war, auch wenn diese Bilder zusammen mit den bereits bekannteren den Beginn einer Weltkarriere markieren.

Der US-Amerikaner Allan Kaprow (1927-2006) genießt Weltruhm vor allem als Aktionskünstler. Nicht nur, dass auf ihn der Begriff des Happenings zurückzuführen ist, er prägte diese Kunstform Ende der 1950er-Jahre in New York. Auch seine Environments – riesige, wandelbare Installationen aus Autoreifen, Fässern oder Eisblöcken – gelten als Marksteine der jüngeren Kunstgeschichte.

Dennoch, Allan Kaprow beginnt seine künstlerische Karriere als Maler, nicht zuletzt im Zusammenhang seines Studiums bei Hans Hofmann. Zudem studiert er in New York beim Theoretiker Meyer Shapiro und beim Komponisten John Cage.
Allan Kaprow zeigt sich früh verschiedensten Einflüssen gegenüber offen. Es sind Zeiten, in denen die Repertoires künstlerischer Materialien ausgeweitet werden – in der bildenden Kunst kommen Materialien aus der Industrie und dem Alltag zum Zuge, Stille und Geräusch erweitern das musikalische Klangspektrum, alltägliche menschliche Handlungen fließen in Choreografie und Tanz ein.

Die Ausstellung in der Esslinger Villa Merkel widmet sich erstmals ausschließlich diesem Werkkomplex Allan Kaprows. Sie macht Orientierungen und das Abarbeiten des jungen Künstlers an Vorbildern augenscheinlich, gleichermaßen sein Interesse an Fragen des Raums. So sind in den expressiven Figuren-Bildern die Agierenden und Raumkoordinaten oft derart prekär angeschnitten, dass die Raumgefüge rhythmisch aufgeladen und geradezu gesprengt erscheinen. Seine Gemälde sind erstaunlich kräftig, frei und kühn in der Farbe und erinnern an große und locker ausgeführte Skizzen.
Eine Serie über die George Washington Bridge macht deutlich, dass Allan Kaprows Herangehensweise gerade nicht die Aufopferung dessen bedeutet, was ein hochausgebildetes Auge sieht. „Brücke bei Nacht“ zeigt unverstellt die zentrale Kurve. Die Zwischenräume der Pinselstriche evozieren Luft und Schimmer. Farbe und das All-Over halten das Sujet der Brücke so dramatisch im Bild, wie ein Theater die Bühne hält. In ihnen ist der Einfluss von Matisse so fruchtbar wie klar. Ab Mitte der 1950er-Jahre entstehen auch die von ihm „Actioncollagen“ genannten Arbeiten, in die er nach und nach Alltagsmaterialien und Alltagsgegenstände einbezieht. Beeinflusst durch Jackson Pollocks Fokus auf den Primat des Handelns, setzt sich Allan Kaprow zum Ziel, die Collagen so schnell wie irgend möglich zu produzieren und auch, sie mit musikalischen Strukturen zu verbinden.

Allan Kaprows Rezeption der Werke von Jackson Pollock öffnet letztlich seine malerische Praxis in Richtung Happening. Pollocks durch Aktion bestimmten Bilder suggerieren, sie könnten in alle Richtungen weiterwachsenen, nach außen, nach vorne, in den Raum ausgreifend, sich von der Oberfläche der Leinwand lösend. Es scheint, als machten sie die Galerie und ihre Beschränkung ebenso überflüssig wie die Leinwand selbst. Warum nicht die Aktion vom Gemälde trennen und auf immer weiter auseinanderliegende Bezugspunkte ausrichten? Das Happening ist geboren!

Allan Kaprow profiliert ausgehend von diesen frühen Bildern und entsprechend einer stringenten Konzeptualisierung seine Haltung. Auf diese Weise eröffnet er der Kunst neue Ausdrucksdimensionen. In seinen Happenings bricht er Grenzen zwischen Malerei, Objekt, Installation und Performance auf. Er steht dabei im Spannungsfeld von Intuition, offener Form und Zeitbasiertheit einerseits und einer reflexiven Praxis als Theoretiker und Kunsthistoriker andererseits.

Die Esslinger Ausstellung zeigt in einer großen Breite Bilder, die in letzter Konsequenz bereits am Beginn eines künstlerischen Oeuvres weit über Gattungsgrenzen hinausweisen. Insofern schlägt sie im Programm der Villa Merkel auch einen Bogen etwa zur „Werkschau“ von Manfred Kuttner (2013), einem Künstler, dessen Malerei aus den 1960er-Jahren – die Bilder waren unter anderem auf der folgenreichen „Demonstrativen Ausstellung“ in Düsseldorf zu sehen, die Kuttner mit Polke, Richter und Lueg ausgerichtet hatte – letztlich in völlig anderen Dimensionen eine Weiterführung fand.

Die Ausstellung „Allan Kaprow – Malerei 1946-1957, eine Werkschau“ Entsteht in Zusammenarbeit mit dem „Allan Kaprow Estate“ sowie „Hauser & Wirth“ Und zeigt eine Vielzahl an Werken aus Privatsammlungen. Es erscheint ein Katalog bei der Snoeck Verlagsgesellschaft, Köln.