Anbau von Cannabis an der Universität Hohenheim?

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Schon seit einiger Zeit setzen sich Politiker aus den Reihen der Linken und Bündnis 90/Die Grünen für die kontrollierte Abgabe von Cannabis ein – zu medizinischen Zwecken und zur Entkriminalisierung der Konsumenten. Nun gesellen sich auch Parteimitglieder der FDP und CDU zu den Befürwortern einer Lockerung der Drogenprohibitionspolitik – u. a. die Stuttgarter Bundestagsabgeordnete Karin Maag von der CDU. Sie sprach sich kürzlich für einen staatlich kontrollierten Anbau von Hanfpflanzen an der Universität Hohenheim aus.

In den letzten zwei Jahren hat sich die Debatte um die Legalisierung von Cannabis u. a. durch den Grünen-Parteichef Cem Özdemir verschärft, der sich im Rahmen der „Ice Bucket Challenge“ mit einer Cannabis sativa auf seinem Balkon zeigte. Der Antrag auf eine kontrollierte Abgabe an volljährige Bürger aus Berlin-Kreuzberg, die die Blüten der Pflanze konsumieren, wurde zwar abgelehnt. Eines haben die Befürworter jedoch bereits erreicht: Ab 2018 sollen Ärzte Cannabis zu therapeutischen Zwecken leichter verschreiben können. Dazu hat das Bundesministerium für Gesundheit einen Gesetzentwurf vorgestellt. Laut diesem soll das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zur Bundes-Cannabis-Agentur werden – und jährlich die benötigte Menge an Medizinalhanf ausschreiben.

Wird dem Antrag des Bundesgesundheitsministers Hermann Gröhe (CDU) stattgegeben, müssten Patienten mit einer schweren chronischen Krankheit lediglich an einer Begleitstudie teilnehmen und könnten sich daraufhin Cannabis auf Rezept verschreiben lassen. Bislang gibt es jedoch noch ein Problem: In Deutschland ist der Anbau illegal und der Import von Medizinalhanf aus dem Ausland teuer. In einem Interview mit der Stuttgarter Zeitung hat nun überraschend die Bundestagsabgeordnete Karin Maag von der CDU vorgeschlagen, den agrarwissenschaftlichen Standort der Universität Hohenheim für einen staatlich kontrollierten Anbau zu nutzen. „Dort könnte ein kontrollierter Anbau garantiert werden, da habe ich null Bedenken“, erklärte Maag.

Neben der Verwendung der Blüten als Schmerzmittel werden andere Bestandteile der Pflanze bereits legal eingesetzt, wovon auch die Wirtschaft profitiert. Aus den Fasern etwa werden Stoffe genäht und die Samen dienen als proteinreiche Müsli-Zutat. Das aus den Samen gewonnene CBD-Öl entfaltet seine Wirkung im medizinischen Bereich – der pflanzliche Extrakt gilt als entzündungshemmend und angstlösend. Zudem kann das Öl in Biodiesel umgewandelt werden. Im Gegensatz zu fossilen Kraftstoffen würde die Verbrennung des Hanf-Kraftstoffes nur CO2 freisetzen, das die Pflanzen aus der Luft aufgenommen haben. Angesichts des bislang mäßigen Erfolgs von Elektroautos könnte sich auch dieser Aspekt positiv auf die mögliche Legalisierung des Anbaus auswirken.

Ob und wo Cannabis sativa zukünftig legal angebaut wird, bleibt noch abzuwarten. Durch die neue Positionierung der CDU wie auch der FDP in der Diskussion ist jedoch zu vermuten, dass es nicht mehr lange dauert, bis dem Antrag auf eine kontrollierte Abgabe von Cannabis als Medizin stattgegeben wird.

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