Menschenlose Landschaften

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Ausstellung zum 29. Kunstpreis der Stiftung Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen zum Thema „Neue Aspekte der Landschaftsmalerei“ in Kirchheim eröffnet

Esslingen.| Insgesamt 438 Arbeiten wurden für den 29. Kunstpreis 2016 der Stiftung Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen eingereicht. Die Künstler setzten sich in einem zeitgemäßen Sinn mit dem Thema „Neue Aspekte der Landschaftsmalerei“ auseinander. 69 Werke, auch die der drei Preisträger, die von der Jury ausgewählt wurden, sind in der Kreissparkasse Kirchheim bis 22. Juli zu sehen, ebenso das Bild, das im Rahmen der Vernissage den Publikumspreis erhalten hat.

Der Hauptpreis wurde geteilt. Für den Vorstandsvorsitzenden Burkhard Wittmacher ein Zeichen der hohen Qualität der Arbeiten. Ayse Öykü Özgün aus Münster erhielt für das rätselhafte und verstörende Bild „Frühling“ diese Auszeichnung, ebenso Claus Delvaux, ein in Frankfurt am Main lebender Künstler, für seine hyperrealistische Darstellung des Markusplatzes in Venedig mit dem Titel „Good Times In The Cities 14“. Den Förderpreis, der unter allen Teilnehmern im Alter bis 35 Jahre verliehen wurde, durfte René Seifert für seine feingesponnene Rätsellandschaft „CONVERSION (2)“ mit nach Berlin nehmen. Das Publikum gab Arpad Racz aus Kallmünz für seine lebensprallen „Apfelbäume“ die meisten Stimmen.

Der Kunstpreis der Kreissparkasse wird seit den 70-er Jahren vergeben. Die Auszeichnung gehört, laut Wittmacher, zu den ältesten und traditionsreichsten Auszeichnungen für bildende Kunst in Deutschland. Ganz bewusst habe man den Fokus des diesjährigen Wettbewerbs auf ein traditionelles Genre der bildenden Kunst gerichtet, erklärte Kurator Dr. Tobias Wall während der Ausstellungseröffnung. Auch als klare Antwort auf „die grenzenlose Multimedialität in der Gegenwartskunst“ habe sich die Kreissparkasse in der Ausschreibung auf die Malerei konzentriert.

Natur und Landschaft sind in den Augen des Kunstexperten zutiefst von Menschen geprägt, verändert und gefährdet. Von Idylle keine Spur. „Landschaft ist heute Umwelt, in der es immer schwieriger wird, eine Heimat zu finden“, so Wall. Insofern sei die Frage nach Landschaft im Wettbewerb keinesfalls altmodisch, sondern sehr zeitgemäß. Der Kurator gab dem Publikum einen kurzen Überblick über die vielschichtige und sehr lebendige Ausstellung. Diese zeigt zum einen farbige Landschaftsträume, Landschaftssymphonien aus Luft und Wasser, ein Albidyll, eine Traumwelt mit sanfter Exotik und hermetische Stadtlandschaften, aber auch Erde, Chaos, Details, Schichtungen, ein Waldrefugium, die Toskana und Landschaft, die zum Klang wird.

Einen Aspekt haben diese so unterschiedlichen Bilder gemeinsam: Es sind, bis auf zwei Ausnahmen, allesamt menschenlose Landschaften. „Der Mensch taucht nur in seinen Eingriffen in der Natur auf. Er selbst ist offensichtlich kein Teil mehr davon“, so Wall. Ein Umstand, der nachdenklich macht.

Die Kunstpreis-Ausstellung 2016 kann bis 22. Juli in der Galerie der Kreissparkasse in Kirchheim, Alleenstraße 160, besichtigt werden. Die Öffnungszeiten der Ausstellung sind Montag bis Freitag zwischen 9 und 13 Uhr sowie zwischen 14 und 17 Uhr.