Großer Auftritt für junge Filmemacher im Zeichen des Bären

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Bilanz der Filmakademie Baden-Württemberg nach der Berlinale 2016

filmakademie_neu.jpgLudwigsburg.| Die Filmakademie Baden-Württemberg blickt auf zwei aufregende und erfolgreiche Berlinale-Wochen zurück: Alle fünf studentischen Produktionen, mit denen die Ludwigsburger Filmhochschule in diesem Jahr bei den Internationalen Filmfestspielen in Berlin vertreten war, stießen auf überaus positive Resonanz – beim Publikum wie auch bei der internationalen Presse.

Der Diplomfilm „24 WOCHEN“ von Anne Zohra Berrached, der als einziger deutscher Beitrag und zudem noch als studentische Produktion in den Wettbewerb eingeladen worden war, erhielt am Samstag (20.2.2016) den Preis der „Gilde deutscher Filmkunsttheater“. Berrached konnte damit zwar nicht den Goldenen Bären mit nach Hause nehmen, aber dafür den Preis als „Bester Film im Wettbewerb“ einer unabhängigen Jury aus Kinobetreibern und Mitgliedern der Gilde.

Der Film „24 WOCHEN“ behandelt das Thema Spätabtreibung und nimmt den Zuschauer mit bis an die Grenze des Ertragbaren: Die schwangere Astrid lebt und liebt ihren Beruf als Kabarettistin, während ihr Mann und Manager Markus sie dabei unterstützt. Doch als die beiden ihr zweites Kind erwarten, wird ihr sonst so durchgetaktetes Leben unerwartet aus der Bahn geworfen: Bei einer Routineuntersuchung erfahren sie, dass ihr Kind schwer krank ist. Im Staffellauf zwischen Diagnosen und Ratschlägen stößt ihre Beziehung an ihre Grenzen. Berracheds Abschlussfilm an der Filmakademie ist kein reiner Spielfilm, sondern eine Mischform mit dokumentarischen Anteilen. „Anne Zohra Berrached tritt mit ihrer zutiefst humanistischen Inszenierung das Erbe von DEFA-Regisseuren wie Lothar Warneke oder Heiner Carow an“, befindet etwa die Berliner Zeitung. Und in Die Zeit war zu lesen: „Berracheds Methode (…) halbdokumentarisch zu arbeiten, Ärzte, Klinikpersonal, Psychologen und Comedians sich selbst spielen zu lassen, zieht einen in Bann.“

Darüber hinaus hatte sich das Auswahlkomitee der 66. Internationalen Filmfestspiele Berlin für den Spielfilm „Wir sind die Flut“ von Sebastian Hilger sowie die Dokumentarfilme „Valentina“ von Maximilian Feldmann, „Hinter dem Schneesturm“ von Levin Peter sowie „Above and Below“ von Nicolas Steiner entschieden.

Sowohl das SciFi-Drama „Wir sind die Flut“ als auch die Dokumentationen „Valentina“ über den Alltag einer zwölfköpfigen Roma-Familie in Mazedonien „Hinter dem Schneesturm“, eine filmische Annährung zwischen Großvater und Enkel, waren in der Sektion „Perspektive Deutsches Kino“ zu sehen. Die Reihe möchte einen ersten Ausblick geben auf inhaltliche und stilistische Trends beim deutschen Filmnachwuchs, die das zukünftige Profil des deutschen Kinos bestimmen. Die drei Nachwuchsregisseure Sebastian Hilger, Maximilian Buck, Levin Peter und ihre Teams konnten sich dabei als Talente präsentieren, die mit ihren Ideen dabei sind, sich einen Platz in der etablierten deutschen Kinolandschaft zu erobern. Über „Valentina“ z.B. urteilte Der Tagesspiegel: „Der gänzlich unaufgeregte, sorgfältig stilisierte Dokumentarfilm ‚Valentina’ dauert gerade mal 51 Minuten und zeigt nichts weniger als das Elend und die Größe, kurz das Drama dieser Welt.“

Auch Filmakademie-Absolvent Nicolas Steiner erntete für seinen bereits mehrfach preisgekrönten Diplomfilm „Above and Below“ höchstes Lob: Der Dokumentarfilm, der kürzlich von der Variety unter die 10 besten Filme des Jahres 2015 gewählt worden war und der in der Vorauswahl zum Deutschen Filmpreis 2016 steht, widmet sich den vergessenen Helden Amerikas. Er zeigt unterschiedliche Lebenskünstler in ihren verborgenen Existenz- und Lebensräumen im Westen der USA.

Last but not least konnten auch zwei Absolventen der Filmakademie Baden-Württemberg mit ihren Filmen das Berlinale-Publikum von sich überzeugen: Piotr J. Lewandowski reüssierte mit seinem Spielfilm „Jonathan“ in der Sektion „Panorama“, während Nikias Chryssos seinen aktuellen Film „Der Bunker“ in der Reihe „Perspektive Deutsches Kino“ vorstellen konnte.