Deutsche Bahn schlägt Schlichtung vor

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Streik schadet Kunden und Wirtschaft
Bahnfahrer mehr genervt als mit der GDL solidarisch

Streik-BahnBerlin.|  Die Deutsche Bahn hat heute der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) ein Schlichtungsverfahren zur Lösung des Tarifkonflikts vorgeschlagen. Ulrich Weber, Vorstand Personal: „Wir haben der GDL vorgeschlagen, dass jede Seite einen unabhängigen Schlichter bestimmt. Wir müssen zurückfinden in ein vernünftiges Verhältnis zwischen Tarifparteien.“

Die Schlichter sollen gemeinsam einen einvernehmlichen Vorschlag zur Lösung des Tarifkonflikts erarbeiten. Die DB hat die GDL aufgefordert, sich bis heute Abend 20 Uhr zu erklären und die angekündigten Streiks auszusetzen.

Ulrich Homburg, Vorstand Personenverkehr, warnte erneut vor den Folgen eines Streiks: „Ohne Not haben Millionen Kunden und viele Tausend unserer Mitarbeiter darunter zu leiden, dass eine kleine Gruppe ihr Machtstreben vor alles stellt und kein Verantwortungsgefühl zeigt.“

Homburg kündigte an: „Wir werden alles unternehmen, um die Auswirkungen für die Kunden so gering wie möglich zu halten. Dennoch müssen sich ab morgen Früh Reisende in Deutschland wieder auf massive Beeinträchtigungen einstellen. Gerade am 9. November planen viele Bundesbürger eine Reise nach Berlin, um gemeinsam den Mauerfall vor 25 Jahren zu feiern.“

Für die Dauer des angekündigten GDL-Streiks im Personenverkehr arbeiten die Betriebszentralen, Fahrplaner, Disponenten und das weiterhin einsetzbare Fahrpersonal mit Hochdruck daran, die Fahrgäste im Nah- und Fernverkehr mit einem reduzierten – aber verlässlichen – Zugangebot an ihr Ziel zu bringen. Das wird im Fernverkehr mindestens ein Drittel des regulären Fahrplans umfassen, im Nahverkehr je nach regionaler Streikintensität 15 bis 60 Prozent.

Der Ersatzfahrplan für den Fernverkehr am Donnerstag ist bereits seit gestern Abend über die Informations- und Buchungssysteme der DB abrufbar. Wie die Fernverkehrszüge am Freitag verkehren, können die Fahrgäste ebenfalls schon seit heute 12 Uhr in den Auskunftssystemen über bahn.de, den DB Navigator oder m.bahn.de sehen.

Für die weiteren Streiktage Samstag und Sonntag ist die Veröffentlichung der Ersatz-Fahrpläne von ICE-, IC-, EC-, Nacht- und Autoreisezügen am Donnerstagabend bzw. am Freitagabend, jeweils 18 Uhr, vorgesehen.

Mit der tageweisen Fahrplanerstellung verbindet sich der Vorteil, bei entsprechender Zug- und Personalverfügbarkeit für das erhöhte Reisendenaufkommen im Rahmen der Mauerfall-Veranstaltungen am Wochenende vielleicht noch zusätzliche Verkehre fahren zu können. Die Fahrgäste im Fernverkehr haben so die Möglichkeit, sich mindestens 30 Stunden vor dem jeweiligen Streiktag über den Fahrplan informieren zu können.

Die entsprechenden Informationen zum Ersatzkonzept für den Regionalverkehr können wegen der ungleich höheren Zahl an Nahverkehrszügen und der damit verbundenen aufwendigeren Ersatzfahrplan-Erstellung erst am Vorabend des darauf folgenden Streiktages in die Auskunftssysteme integriert werden.

Zusätzlich zur allgemeinen Servicenummer unter 0180 6 99 66 33 (20ct/Anruf aus dem Festnetz, Tarife bei Mobilfunk max. 60ct/Anruf) haben wir seit gestern, 18 Uhr, wieder die kostenlose Servicenummer unter 08000 99 66 33 geschaltet.

Für die Kunden im Personenverkehr kommen die bereits bekannten Kulanzregelungen wieder zur Anwendung: Fahrgäste, die aufgrund von streikbedingten Zugausfällen, Verspätungen oder Anschlussverlusten ihre Reise nicht wie geplant durchführen können, können ihre Fahrkarte und Reservierung im DB Reisezentrum oder in den DB Agenturen kostenlos erstatten lassen. Alternativ können Reisende den nächsten – auch höherwertigen – Zug nutzen.

Minister Dobrindt zu angekündigten Bahnstreiks
Zu den angekündigten Streiks bei der Deutschen Bahn AG sagt Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt: „Das Ausmaß des Streiks ist unverhältnismäßig. Die Akzeptanz der Bevölkerung gegenüber Tarifauseinandersetzungen wird deutlich überstrapaziert. Die Deutsche Bahn muss ihre Rechtsposition wahrnehmen und alle Rechtsmittel ausschöpfen. Eine Klage wegen Unverhältnismäßigkeit des Streiks ist im Interesse der Bahnkunden, der Beschäftigten und der Aufrechterhaltung der Güterversorgung in Deutschland geboten.“

GDL-Chef Weselsky lehnt Schlichtung umgehend ab
Für die GDL sei dies ein Scheinangebot, wie der Gewerkschaftschef umgehend hören ließ. Der GDL gehe es um grundsätzlich verbriefte Rechte der Gewerkschaft, wie Weselsky feststellte. Mittlerweile zeigt sich ein Großteil der Bahnnutzer mehr genervt von den andauernden Streiks als solidarisch.