Appell an das Verantwortungsgefühl

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Das Verbot von Grabsteinen aus Kinderarbeit kann in Ostfildern noch nicht umgesetzt werden

Ofi14_KW31_Fair Trade Grabsteinproblematik_Foto_Peter Stotz

Die Bestimmung, dass auf den Friedhöfen keine Grabsteine aufgestellt werden dürfen, die aus Kinderarbeit stammen, liegt auf Eis. Die Stadt appelliert an das Verantwortlichkeitsgefühl der Bürger.

Ostfildern.| Bereits vor geraumer Zeit hat sich die Stadt Ostfildern der Selbstverpflichtung unterworfen, nur noch fair gehandelte Produkte aus umweltverträglicher Herstellung zu verwenden. Dies reicht vom Apfelsaft aus dem heimischen Streuobstwiesen-Anbau über den fair gehandelten Kaffee bis hin zum Papier, das auf der Grundlage von Rohstoffen aus Recycling-Material und Holz aus nachhaltiger Waldwirtschaft hergestellt wurde.

Seit dem Jahr 2010 gibt es überdies den grundsätzlichen Beschluss des Gemeinderats, dass keine Produkte aus ausbeuterischer Kinderarbeit verwendet werden dürfen. Dabei sind vor allem Steine im Blick, etwa die Bordsteine aus Granit, die im Straßenbau benötigt werden, oder aber Grabsteine. Die überwiegende Mehrzahl aller Natursteine, die in Deutschland verarbeitet werden, stammt aus Indien. Die Farbenvielfalt dieser Steine wird gerühmt, außerdem sind sie kostengünstig. Dies wird jedoch mit der Arbeit von Kindern erkauft, die in vielen indischen Steinbrüchen ohne jeglichen Arbeits- und Gesundheitsschutz und oft in sklavenähnlicher Abhängigkeit schuften müssen.

Die Stadt hat daher im Jahr 2013 wie eine Reihe anderer Kommunen in ihre Friedhofssatzung die Bestimmung aufgenommen, dass nur Grabsteine aufgestellt werden dürfen, die nachweislich nicht aus ausbeuterischer Kinderarbeit in der Definition der Internationalen Arbeitsorganisation stammen. Nach Urteilen des Bundesverwaltungsgerichts und des Verwaltungsgerichtshofs Baden-Württemberg dürfen solche Bestimmungen vorläufig allerdings nicht umgesetzt werden, da die Herkunftsnachweise für Natursteine durch Zertifikate über faire Produktions- und Handelsbedingungen erbracht werden müssen. Anders als für Steine im Straßenbau fehlen für Grabsteine jedoch anerkannte unabhängige Siegel. „Als Alternative dazu wäre derzeit eine Eigenerklärung des Steinmetz denkbar. Das ist aber kaum leistbar, da der einzelne Handwerker die Produktionsbedingungen und die Lieferketten nicht kennen kann“, sagt Dietmar Hage, der sich bei der Stadtverwaltung um das Thema des fairen Handels kümmert. Die Verwaltung sei nach wie vor fest entschlossen, sich gegen die Kinderarbeit zu stemmen, die Bestimmung sei deswegen nicht gestrichen, sondern lediglich ausgesetzt worden. „Wir wollen die Segel nicht streichen“, betont Hage.

Er geht davon aus, dass sich bis zum kommenden Jahr genügend Auftraggeber finden, die gemeinsam eine Zertifizierung finanzieren können. Der Gemeinderat werde sich im Oktober mit dem Thema beschäftigen. „Bis das anerkannte Siegel kommt, bleibt uns der moralische Appell, auf Produkte aus Kinderarbeit zu verzichten. Wir wissen, dass das Bewusstsein der Bevölkerung für die Problematik gestärkt ist und hoffen auf das Verantwortungsgefühl der Menschen“, sagt Hage.

Bild: Für Grabsteine gibt es noch keine Zertifikate über faire Produktions- und Handelsbedingungen.
Foto: Peter Stotz