Handwerk drängt auf eine Meisterprämie wie in anderen Bundesländern

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690 Meisterbriefe in Stuttgart an erfolgreiche Handwerker überreicht

Stuttgart.| Bei der Meisterfeier des Handwerks am Freitagabend bekräftigte Kammerpräsident Rainer Reichhold die Forderung nach einer Meisterprämie in Baden-Württemberg. „Aus Sicht des Handwerks wäre der Meisterbonus ein wichtiger Schritt zur Gleichbehandlung von Meistern und Studierenden“, betonte der Präsident der Handwerkskammer Region Stuttgart vor über 2.500 Besuchern im Internationalen Congresscenter Stuttgart. In allen anderen Bundesländern werde diese Erfolgsprämie bereits gewährt. „Eine Prämie in Höhe von 1.500 Euro wäre ein klares Signal der Anerkennung von Leistungsträgern“, so Reichhold. „Wenn es die Landesregierung ernst meint mit der Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Ausbildung, muss die Prämie schnellstmöglich kommen. Nur so kann der Meister mit dem Hochschulstudium konkurrieren.“

Ein Gebot der Fairness wäre für den Kammerpräsidenten auch die Gleichbehandlung von Meisterschülern und Studierenden als Nutzer des ÖPNV. Bisher erhalten Meisterschüler kein verbilligtes Ticket, da sie nicht als Studierende gelten, sondern als Weiterbildungsteilnehmer. Reichhold: „Deshalb setzen wir uns dafür ein, das vergünstigte VVS-StudiTicket auch auf Meisterschüler auszuweiten.“ Grundsätzlich wichtig sei aber, dass Bildung für alle Gruppen gleich und fair finanziert ist.

690 junge Handwerker durften am Freitag nach dem erfolgreichen Abschluss der Meisterschulen ihre Meisterbriefe in Empfang nehmen. Vor der Übergabe der Schmuckurkunden war es dann soweit. Die Jungmeister konnten den „Meistermoment“ unter Glitterregen auf der Bühne erleben. Ein Blick auf die diesjährigen Bestmeister der Handwerkskammer Region Stuttgart zeigt einmal mehr, wie viele erfolgreiche Frauen es in der Branche gibt. Von den 13 Bestmeistern sind sechs weiblich. Die Meisterurkunden wurden von den Mitgliedern der 29 Prüfungsausschüsse an die jungen Handwerker überreicht. Mit 96 Absolventen gehören die Kraftfahrzeugtechniker mit Abstand zum größten Gewerk. Die Maler und Lackierer stellen 71, die Friseure 52 Jungmeister.

Zur bundesweit angestoßenen Gründungsinitiative erklärte Reichhold, dass der Meisterbrief ein idealer Türöffner auf dem Weg in die Selbstständigkeit sei. „Mehr junge Menschen müssen sich wieder trauen, ihr Leben und ihren Beruf selbst in die Hand zu nehmen und selbst Unternehmer zu werden. Die Sozialabgaben und Lohnzusatzkosten müssten dabei auch für bestehende Firmeninhaber konstant bleiben und dürften die Grenze von 40 Prozent nicht übersteigen. „Selbstständigkeit muss sich lohnen“, so der Kammerpräsident.

Als ein „bedeutendes Anliegen“ des Handwerks bezeichnete Reichhold die Rückführung von zulassungsfreien Berufen in die Meisterpflicht. In den Gewerken, in denen es zu Fehlentwicklungen gekommen sei, müssten diese Fehler der Vergangenheit, wo immer möglich, rückgängig gemacht werden. „Der Meister ist gut für die Ausbildung, er ist gut für die Qualität im Handwerk, und er ist gut für dieses Land“, betonte Kammerpräsident Rainer Reichhold. „Wir müssen gemeinsam die Voraussetzungen schaffen, damit das Handwerk auch in Zukunft für Innovation, Zuverlässigkeit und höchste Qualität steht. Denn ein starkes Handwerk ist die Grundlage für eine erfolgreiche Wirtschaft. Die Meisterpflicht als gewachsene Institution müssen wir dazu bewahren und schützen“, betonte Reichhold.

Die finanziellen Perspektiven der Jungmeister beschrieb Reichhold sehr positiv: „Ein Meister verdient mindestens so viel wie ein Bachelor. Ein fitter Handwerksunternehmer kann einen Master finanziell locker überflügeln. Und der Lehrling bekommt während der Ausbildung eine Vergütung, ein Student dagegen nichts. Das alles ist leider nicht hinreichend bekannt.“

Den Rotary-Förderpreis in Höhe von 3.000 Euro konnte Konditormeisterin Nina Striegl aus Ulm/Donau entgegennehmen. Ines Aufrecht, die Vizepräsidentin des Rotary-Clubs Stuttgart, überreichte den Scheck.  Mit der Unterstützung soll ein „durchdachter Zukunftsplan“ ausgezeichnet werden, der die Selbstständigkeit nicht ausschließt.

„We are the champions“ – die Bestmeister 2018

  • Orthopädietechnikmeisterin Stephanie Bayer, 89264 Weißenhorn
  • Installateur und Heizungsbauermeister Sebastian Schindler, 71546 Aspach
  • Klempnermeister Steffen Riester, 72379 Hechingen
  • Müllermeisterin Lisa Sendker, 59174 Kamen
  • Maler und Lackierermeister Nicholas Kölper, 76275 Ettlingen
  • Stuckateurmeister Pierre Frey, 68789 St. Leon-Rot
  • Raumausstattermeister Dominik Sven Greißl, 70327 Stuttgart
  • Bäckermeisterin Nicole Mittmann, 72218 Wildberg
  • Schilder- und Lichtreklameherstellermeisterin Isabelle Bachmann, 71711 Murr
  • Maßschneidermeisterin Lea Katharina Baltner, 87742 Dirlewang
  • Konditormeisterin Nina Striegl, 89079 Ulm
  • Orgel- und Harmoniumbauer Georg Deutinger, 85445 Oberding
  • Informationstechnikermeister Andreas Soffner, 71229 Leonberg