Vorsicht Strahlen! Schnellere Krebsvorsorge dank Telemedizin

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Langes Sonnenbaden, die UV-Strahlung und die dünner werdende Ozonschicht führen zu einer Zunahme von Hautkrebserkrankungen. Die Erkrankung selbst zeigt sich jedoch häufig erst viele Jahre später.
Vorsorge hilft Hautkrebs frühzeitig zu erkennen. Seit dem 1. Juli testet die AOK die digitale Vernetzung zwischen Haus- und Hautarzt. Menschen mit Hauterkrankungen oder -veränderungen sollen hiervon profitieren.

Stuttgart.| „Der schwarze Hautkrebs, das maligne Melanom, nimmt bei den Hautkrebserkrankungen am stärksten zu“, so Dr. Gudula
Kirtschig, Hautärztin bei der AOK Baden-Württemberg. „Nicht zu unterschätzen ist auch der weiße oder helle Hautkrebs“. Er ist zwar nicht so gefährlich wie der schwarze Hautkrebs, weil er nur eine geringe Neigung zur Bildung von Tochtergeschwülsten hat, ist aber die häufigste Krebsart überhaupt. Der AOK Stuttgart-Böblingen zufolge steige die Anzahl der Neuerkrankungen insgesamt mit zunehmenden Alter, besonders betroffen sei die Altersgruppe der 74- bis 79-jährigen, Frauen etwas häufiger als Männer.

Das Hauptrisiko ist die Summe der Sonnenbrände, vor allem im Kindesalter. Deshalb rät die Hautärztin allen Eltern: „Kinder müssen hauptsächlich in der Zeit von 11 bis 15 Uhr vor der Sonne geschützt werden. Und Babys bitte im ersten Lebensjahr möglichst niemals direktem Sonnenlicht aussetzen.“ Die Haut kann sich nur eine bestimmte Zeit selbst schützen. Sonnenschutzmittel mit Lichtschutzfaktor (LSF) können diese Zeit verlängern. Die Höhe des LSF richtet sich nach der Empfindlichkeit der Haut. Es sollten nur solche Sonnenschutzmittel verwendet werden, die vor UV-A- und UV-B-Strahlung schützen. „Die Creme sollte bereits eine halbe Stunde vor dem Sonnenbad aufgetragen werden, damit der Lichtschutzfaktor seine volle Wirkung entfalten kann. Besonderen Schutz brauchen Stirn oder Kopf bei Männern mit wenig oder dünnem Haar, Augen, Ohren, Nasenrücken, Kinn, Nacken und Schultern, Brüste, Rücken, Gesäß und Fußrücken“, weiß die Expertin.

Dr. Kirtschig: „Jeder Sonnenbrand erhöht die Hautkrebsgefahr. Die Haut vergisst nichts und meldet sich mit bösartigen Veränderungen oft erst nach 20 oder 30 Jahren. Ich empfehle deshalb eine regelmäßige Hautkrebsvorsorge“. Wassiliki Babel, Pressesprecherin der AOK Stuttgart-Böblingen ergänzt: „Unsere Zahlen zeigen, dass nur jeder Dritte die Hautkrebsvorsorge, das sogenannte Hautkrebsscreening, in Anspruch nimmt. Dabei können AOK-Versicherte diese Leistung schon ab dem 20. Lebensjahr und alle zwei Jahre in Anspruch nehmen. Die Kombination macht`s. Der richtige Sonnenschutz und eine regelmäßige Hautkrebsvorsorge, dann steht einem sonnigen Vergnügen nichts mehr im Wege“.

Ganz aktuell untersucht die AOK Baden-Württemberg den Wert der telemedizinischen Diagnostik bei Hauterkrankungen mit dem Projekt „TeleDerm“. Das Verfahren ist einfach: Der Hausarzt fotografiert die erkrankte Hautstelle des Patienten und übermittelt das Bild mit ergänzenden Befunden und einem softwaregestützten Fragebogen via Internet an bestimmte Hautärzte. Die übermittelten Fotos und Informationen werden von den Dermatologen gesichtet und bewertet. Die Diagnose wird dann zusammen mit Empfehlungen innerhalb von ein bis zwei Tagen über das System an den Hausarzt zurückgemeldet. „Wir versprechen uns durch diese Technik eine schnellere Behandlung unserer Versicherten, während gleichzeitig die Versorgungsebenen zwischen Haus- und Facharzt stärker vernetzt und somit verbessert werden“, so Babel.

“TeleDerm“ wird von der Abteilung Allgemeinmedizin der Universität Tübingen mit Unterstützung der AOK Baden-Württemberg durchgeführt. Elf Hausarztpraxen aus dem Landkreis Böblingen sind an dem Projekt beteiligt.