Der Weg ist das Ziel: Wie man chronischen Krankheiten immer einen Schritt voraus ist

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Bildrechte: Flickr 60 Fit Approach CC BY-SA 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten

„Sitzen ist gefährlicher als Rauchen, tötet mehr Menschen als HIV und ist tückischer als Fallschirmspringen“ – diese auf den ersten Blick verblüffende These vertritt der amerikanische Forscher Dr. James Levine. Das vermehrte Auftreten von Volkskrankheiten wie Diabetes oder Bluthochdruck zeigt zwar, dass der Mensch nicht zum lebenslangen Sitzen gemacht ist. Doch wie gefährlich ist ein Schreibtischjob wirklich?

Chronischer Bewegungsmangel im Alltag
Im Auto oder S-Bahn zur Arbeit, im Büro stundenlang vor dem Rechner, zu Hause auf der gemütlichen Couch vor dem TV oder Laptop – viele Menschen verbringen den Tag mehr sitzend als stehend. Dieser chronische Bewegungsmangel lässt sich zwar durch Sport ausgleichen, oft fehlt jedoch die Zeit. Die Infrastruktur ist ein entscheidender Faktor dafür, dass sich die Menschen heutzutage weitaus weniger bewegen müssen als noch vor einigen Jahrzehnten. Natürlich ist Mobilität auch immer mit Zeitgewinn verbunden, Zeit, die im besten Falle der Freizeit zugutekommt. Doch seit Längerem schlagen Experten Alarm und warnen vor den langfristigen gesundheitlichen Risiken, die durch stundenlanges Sitzen entstehen. So schadet dauerhaftes Sitzen nicht nur der Muskulatur und dem Rücken, sondern auch den Organen. Bewegungsmangel begünstigt darüber hinaus Bluthochdruck, Übergewicht und verlangsamt die Magen- und Darmtätigkeit. Letzteres, so vermuten die Autoren einer englischsprachigen Studie (PDF), erhöht das Risiko, an Darm- oder Brustkrebs zu erkranken.

Chronischen Krankheiten vorbeugen
Auch Peter Schwarz, Professor für Prävention und Versorgung von Diabetes, macht laut der Sächsischen Zeitung den Bewegungsmangel als Ursache für viele chronische Krankheiten verantwortlich: „Wer ab seinem 25. Lebensjahr täglich 10.000 Schritte läuft, verhindert damit nahezu jede chronische Krankheit.“ Ausreichende Bewegung und eine gesunde Ernährung sorgen dementsprechend für einen funktionierenden Stoffwechsel, bei der Körper Energie verbrennt, statt diese als Fettdepots anzulegen. Auch die Bauchspeicheldrüse leidet unter dem Bewegungsmangel und der Organismus kann auf die erhöhte Insulinproduktion nicht mehr adäquat reagieren. Die Konsequenzen können Diabetes Typ II und sogar Depressionen sein.

Diabetes und Folgeerkrankungen
Auch wenn wir uns den Folgen einer unzureichenden Bewegung bewusst sind: Oft mangelt es einfach an der Motivation, dagegen anzugehen. Helfen sollen hier sogenannte Pedometer (Schrittzähler). Diese kann der Nutzer mit Apps wie AnkerSteps verbinden und so seine Schritte protokollieren – nicht nur pro Tag, sondern auch über einen längeren Zeitraum. Um die Motivation zu steigern, basiert die App auf einer Wette. Erreicht man das Tagesziel von 10.000 Schritten nicht, wird der vorher festgelegte Wetteinsatz an andere User gespendet.

Dass schon 1.000 zusätzliche Schritte pro Tag den Blutzucker stärker senken als das Standarttherapeutikum bei Diabetes, verdeutlicht den vergleichsweise niedrigen Aufwand, Bewegung in den Alltag zu integrieren. Nichtsdestotrotz müssen Betroffene ein Leben lang ihren Blutzuckerspiegel beobachten und handeln, wenn die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse ihre Arbeit eingestellt haben. In Anbetracht der Tatsache, dass Diabetes weitere Erkrankungen wie Nervenschäden zur Folge haben kann, sind beispielsweise Aufklärungsinitiativen zum diabetischen Fuß-Syndrom ein wichtiger Schritt. Schließlich tragen uns die Füße durch das Leben, sodass nicht nur Diabetiker bei der Auswahl geeigneter Schuhe zu komfortablen und qualitativ hochwertigen Modellen greifen sollten.

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