Arbeitsunfälle in Deutschland: BG RCI präsentiert Praxishilfe-Ordner zur Prävention

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Die Zahl der Arbeitsunfälle in Deutschland hat im ersten Halbjahr 2016 um 3,4 Prozent zugenommen. Das geht aus den vorläufigen Unfall- und Berufskrankheitenzahlen hervor, welche die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung vorgelegt hat. Demnach ereigneten sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 14.156 zusätzliche Arbeitsunfälle, die Gesamtanzahl kletterte auf 434.603. Knapp 200 der Unfälle verliefen tödlich. Die Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie (BG RCI) will Unternehmen mit einem neuen Praxishilfe-Ordner bei der Prävention unterstützen.

Bilanz 1. Halbjahr 2016: Mehr Arbeitsunfälle, weniger Unfalltote
Im 10-Jahres-Vergleich (2005-2015) ist ein rückläufiger Trend der Unfalltoten zu beobachten. Auch 2016 könnte es zu einem leichten Rückgang kommen. Laut vorläufiger Unfall- und Berufskrankheitenzahlen zum 1. Halbjahr 2016, welche von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung bereits veröffentlicht wurden, ist die Anzahl der tödlichen Arbeitsunfälle gegenüber dem 1. Halbjahr 2015 um ein Prozent zurückgegangen. Im Vergleich dazu haben die Arbeitsunfälle um 3,4 Prozent zugelegt. Während es im ersten Halbjahr 2015 noch 420.447 betriebliche Unfälle waren, ereigneten sich im gleichen Zeitraum 2016 bereits 434.603 Arbeitsunfälle. 198 davon zogen den Tod des Verunglücktem nach sich.

Anzahl tödlicher Arbeitsunfälle in Deutschland von 2005 und 2015:

Jahr Anzahl Arbeitsunfälle mit Todesfolge
2005 656
2006 711
2007 619
2008 572
2009 456
2010 519
2011 498
2012 500
2013 455
2014 483
2015 470

Gründe für schwere Arbeitsunfälle mit Todesfolge gibt es reichlich. Neben Stürzen von höhergelegenen Arbeitsplätzen sowie in betrieblichen Treppenhäusern, sind nicht selten unzureichend gesicherte Lasten und Maschinen verantwortlich für tragische Unglücke.

Unternehmen in der Pflicht: Präventive Hilfestellung die BG RCI
Unternehmen sind aufgefordert mit sinnvollen Maßnahmen zur Unfallverhütung sämtliche Gefährdungen der Belegschaft einzudämmen. Zum einen müssen Maschinen, Anlagen und Fahrzeuge ausreichend gekennzeichnet werden, um auf potenzielle Gefahren hinzuweisen. Ein Großteil der Maschinenkennzeichnung ist der Maschinenrichtlinie 2006/42/EG zu entnehmen. Unter anderem ist darin geregelt. dass Maschinen in der Europäischen Union das CE-Kennzeichen tragen müssen. Ergänzend sind Gebots- und Verbotszeichen anzubringen. Einige Hersteller haben sich auf die Fertigung langlebiger Maschinen- und Anlagenschilder spezialisiert und verkaufen hochwertige Sicherheits- sowie Hinweisschilder zur Unfallprävention. Das in Bad Marienberg ansässige Unternehmen Schilder Becker produziert mit modernsten Fertigungsverfahren Maschinenschilder aus verschiedensten Materialien unter Berücksichtigung der „Normen der aktuellen deutschen Maschinenrichtlinie“. Für farbintensive Schilder zur sicherheitsrelevanten Maschinenkennzeichnung kommen in erster Linie Kunststoffe zum Einsatz.

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Doch mit der Einhaltung der Kennzeichnungspflicht und der Beschilderung von Gefahrenstellen allein ist es nicht getan. Auch in Sachen Aufklärung sind Arbeitgeber gefordert. Sie müssen ihre Belegschaft entsprechend der individuellen Risiken am Arbeitsplatz schulen und den sinnvollen Umgang mit betrieblichen Gerätschaften vermitteln. Viele tragische Situationen der Vergangenheit hätten mit zusätzlichen Sicherheitsvorkehrungen möglicherweise verhindert werden können. So auch bei einem Arbeitsunfall in Unterfranken 2016: Hier wurde ein Mann von einem Müllsammelfahrzeug zerquetscht, nachdem er in die Schüttung stürzte. In Waiblingen-Hegnach kam es stattdessen zu einem ganz anderen Arbeitsunfall. Wie aus dem Polizeibericht vom 6. März 2016 hervorgeht, bestand bei einem toten Arbeiter der Verdacht auf eine Gasvergiftung, die sich dieser bei Lackierarbeiten in einem Kellerraum zugezogen haben soll. In Freising in Bayern verunglückten auf einer Baustelle Anfang Februar 2017 zwei weitere Männer. Sie wurden vom Ausleger eines Betonlasters schwer getroffen. Die beiden Rumänen im Alter von 56 und 43 Jahren starben noch am Unfallort. Einer der vorderen Stützen zur Sicherung des Fahrzeugs knickte ein und riss die beiden Arbeiter in den Tod.

Der neue Praxishilfe-Ordner der BG RCI „Aus Arbeitsunfällen lernen“ zeigt anhand 60 realer Fallbeispiele Gefahren auf und stellt Betrieben und Fachkräften für Arbeitssicherheit wertvolle Präventionstipps zur Verfügung. Die enthaltenen Unfälle wurden anonymisiert und didaktisch aufbereitet. Das thematische Spektrum der Publikation ist groß und enthält von herabstürzenden Ladungen bis hin zu schweren Verletzungen durch Maschinen alle gängigen Unfallursachen. Anhand von Abbildungen erfahren Leserinnen und Leser, warum sich die Unfälle ereignen konnten und welche Vorsichtsmaßnahmen zur Prävention unverzichtbar sind. Zur Unterweisung hat die BG RCI eine DVD beigelegt. Die Bestellung des Praxishilfe-Ordners „Aus Arbeitsunfällen lernen“ ist über den Medienshop der Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie möglich.

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