Arbeitsmarkt ist stabil und solide

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ArbeitsagenturBerlin.| Mehr Erwerbstätige, weniger Arbeitslose als im Vorjahr: Trotz verhaltenen Starts ins dritte Quartal gibt der Arbeitsmarkt keinen Anlass zur Sorge. Aktuell wirkten sich die Krisen in der Ukraine und in Nahost nicht nachteilig aus, sagte Bundesarbeitsministerin Nahles. Die Binnenkonjunktur gleiche Unsicherheiten im Export aus.

16.000 Menschen mehr waren im Juni erwerbstätig gegenüber dem Mai. Insgesamt lag die Erwerbstätigkeit im Juni bei 42,24 Millionen. Gegenüber dem Vorjahr ist sie um 377.000 oder 0,9 Prozent gestiegen. „Der Anstieg beruht sehr auf der guten Entwicklung bei der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung“, konstatierte Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles. 29,72 Millionen Menschen waren im Mai sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Das waren 442.000 mehr als im Vorjahr.

Mehr Beschäftigte im Gesundheits- und Sozialwesen
Dabei hat die Vollzeitbeschäftigung im Vorjahresvergleich um 167.000 oder 0,8 Prozent und die Teilzeitbeschäftigung um 287.000 oder 3,8 Prozent zugelegt. Das größte Plus verzeichneten die Wirtschaftlichen Dienstleistungen (126.000 oder 3,8 Prozent) und das Gesundheits- und Sozialwesen (110.000 oder 2,9 Prozent Plus).

Dafür zählen weniger Menschen zu den geringfügig entlohnt Beschäftigten. Im Mai waren das 4,76 Millionen, also 38.000 weniger als vor einem Jahr.

Kurzarbeitergeld wird derzeit von verhältnismäßig wenigen Unternehmen in Anspruch genommen. An 60.000 Arbeitnehmer wurde im Mai konjunkturelles Kurzarbeitergeld gezahlt. Das waren 14.000 weniger als vor einem Jahr.

Das Risiko, durch den Verlust der Beschäftigung arbeitslos zu werden, ist weiter gesunken. Die Chancen, die Arbeitslosigkeit zu beenden, haben sich tendenziell verbessert. Im europäischen Vergleich verzeichnet Deutschland eine der niedrigsten Erwerbslosenquoten und gegenüber dem Vorjahr einen Rückgang.

Grafik zur Entwicklung der Erwerbstätigkeit – Juniwerte in Millionen gerundet seit 2005: 2005: 38,77; 2006: 39,08; 2007: 39,72; 2008: 40,24; 2009: 40,23; 2010: 40,52; 2011: 41,08; 2012: 41,53; 2013: 41,74; 2014: 42,12

Absolventen melden sich im Sommer erstmal arbeitslos
Die Arbeitslosigkeit hat von Juni auf Juli um 39.000 oder ein Prozent auf 2.871.000 zugenommen. Das war jedoch in den Vorjahren ebenso: In den letzten drei Jahren ist die Arbeitslosigkeit im Juli durchschnittlich um 54.000 oder zwei Prozent gestiegen. Wenn saisonale Effekte herausgerechnet werden, ist für den Juli 2014 ein Rückgang von 12.000 zu verzeichnen.

Das Plus bei der Arbeitslosenzahl beruht vor allem darauf, dass sich in diesem Monat viele Jugendliche nach ihrer Ausbildung erst einmal arbeitslos melden. Deshalb steigt die Arbeitslosigkeit Jüngerer stark an, nimmt dann aber im September und Oktober wieder deutlich ab. Darüber hinaus wird im Juli die Arbeitslosigkeit durch quartalsbedingte Befristung von Jobs belastet. Neueinstellungen gleichen das nicht aus. Sie werden oft bis nach den Ferien aufgeschoben.

Die Arbeitslosenquote belief sich im Juli auf 6,6 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr hat sie um 0,2 Prozentpunkte abgenommen.

Die Juniwerte zum Arbeitsmarkt seit Einführung des SGB II (Hartz IV) in 2005: 2005: 4.772.082; 2006: 4.386.126; 2007: 3.715.019; 2008: 3.210.045; 2009: 3.462.446; 2010: 3.191.800; 2011: 2.939.971; 2012: 2.875.971; 2013: 2.914.092; 2014: 2.871.347

Um Spätstarter kümmern
Viele junge Menschen sind derzeit noch auf der Suche nach einer Ausbildung. Nahles will sich verstärkt um die „Spätstarter“ kümmern. Gemeint sind Jugendliche zwischen 25 und 35 Jahren, die wegen persönlicher Schwierigkeiten in den letzten Jahren keine Ausbildung abgeschlossen haben. Für sie wurde das Bundesprogramm „Spätstarter gesucht“ aufgelegt. Sie werden unterstützt, einen Berufsabschluss zu machen.

Im Herbst möchte Nahles die Fachkräfteinitiative auf den Weg bringen. „Wir haben Grund, die Fachkräftesicherung zu einem Schwerpunkt für die nächsten Jahre zu machen“. Das Bundesarbeitsministerium habe 20 Wirtschaftszweige identifiziert, in denen Fachkräfte fehlen. Das sind zum Beispiel Pflegefachleute, Mechatroniker, Maschinenschlosser oder Ingenieure.

Halbe Million offene Stellen
Laut Nahles hat die Zahl der gemeldeten offenen Stellen im Juli noch einmal zugelegt und die halbe Million übersprungen. Nach Angaben des Institutes für Arbeitsmarkt und Berufsforschung lag das gesamtwirtschaftliche Stellenangebot für den ersten Arbeitsmarkt im ersten Quartal 2014 bei über einer Million Stellen. Das waren 13 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.